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Endlich!!! Das warten hat ein Ende und das langerwartete Comeback Album mit David Lee Roth hinter dem Mikroständer, ist auf dem Markt. Ich persönlich fieberte dem Releasedate entgegen und habe es sogar einen Tag vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum erstanden. Ich habe mich tierisch auf "A Different Kind Of Truth" gefreut und war wahnsinnig gespannt, wie sich die Kooperation Roth/Van Halen entwickelt hat. Eddie und Co. besinnen sich auf dem Album auf ihre Wurzeln und liefern einen sehr frischen, rohen und direkten old school Rock'n'Roll Bastard ab.
VH sind, bis auf den Gesangsposten, zu einem Familienunternehmen gewachsen. Neben Edwards Bruder Alex (Schlagzeug), ist seit 2006, sein Sohn Wolfgang (Bass) bei dem ehemaligen Millionenseller tätig. Am Instrument hinterlässt das jüngste Bandmitglied einen handwerklich durchgehend guten Eindruck. Edward's Gitarrenspiel erinnert wieder mehr an die Frühphase der Band ("VH I" bis "FAIR WARNING") und wird bei den Fans wieder für Begeisterung sorgen. Viel neues offenbart sein Spiel beim besten Willen nicht - die Zeiten sind vorbei und werden von einigen Fans vermisst - aber er zeigt, dass er es noch kann. Die frickligen, hyperschnellen Soli's werden dem Zuhörer nur so um die Ohren gefeuert. Besondere Aufmerksamkeit sollte man seinem Bruder Alex widmen. Er spielt nicht nur so präzise und druckvoll, als ob er einen Metronom im Pöppes hätte, sondern sein Drumsound verleiht dem Album eine einzigartige Note, die sich von dem Großteil der Schlagzeugaufnahmen unterscheidet.
Und nun zu der Frage, die wohl die meisten Van Halen Fans beschäftigt: Kann er es denn noch? Ladies und Gentlemen ... und wie er es noch kann! David Lee Roth hat nichts verlernt. Was er bis vor 28 Jahren zelebrierte, führt er auch 2012 weiter. David's Stimme hat auf dem Silberling nicht an Charisma verloren. Er nuschelt, schreit, singt oder brummt sich durch die 13 Songs und man bekommt das Gefühl vermittelt, dass der Herr mal wieder so richtig Bock darauf hatte, ein hart rockendes Album einzusingen.
Also rein von der Instrumentierung und Gesang ist im Hause VH alles in Butter. "ADKOT" ist ein gutes Album geworden, bei dem aber leider auch ein paar Schwächen im Songwriting auszumachen sind. Nicht alle Songs klingen wie aus einem Guß und bewegen sich, von der Qualität her, eher im Mittelmaß. Anstatt 13 Tracks, mit einer Spielzeit von knappen 51 Minuten, zu veröffentlichen, hätten VH lieber auf "Honeybabysweetiedoll", "China Blues" und "Blood And Ice" verzichten sollen, da sie meiner Meinung zu den schwächeren Outputs auf dem Album gehören.
Der schon vorab als Single veröffentlichte Opener "Tattoo" begeisterte mich am Anfang, wobei das Hörvergnügen von Durchlauf zu Durchlauf nachließ und sich hier schon leichte songwriterische Schwächen offenbarten. Eigentlich bietet der Rocker alle Trademarks die den VH Sound ausmachen, aber richtig spannend wird es zu keiner Zeit bzw. eine Begeisterung will sich einfach nicht einstellen. Auch das ständige wiederholen des Refrains nervt spätestens nach dem 4 abspielen. Aus meiner Sicht kein optimaler Start für das Comeback Scheibchen. "She's The Woman" und das treibende "You And Your Blues" stimmen mich versöhnlicher und die Songs treffen genau ins Zentrum meiner Geschmacksnerven. Eddie zaubert virtuos auf seinem Instrument und David lässt Erinnerungen an seine "Fair Warning" Glanzzeiten durchschimmern. Das schnelle und harte "China Blues" fängt grandios, mit einem Eddie Intro, an und Roth singt und schreit sich die Seele aus dem Leib. Zwar nicht schlecht, aber für die Qualitätverhältnisse, welche man aus der Vergangenheit gewohnt ist, zündet er in meinem Gehörgang nicht wirklich und das klangliches Feuerwerk bleibt aus. In die gleiche Sparte kann man auch "Blood And Fire" einsortieren. "Bullethead" startet gleich zu beginn komplett durch und rockt alles in Grund und Boden. Besonders Alex gefällt mir bei der Nummer sehr gut. Er zeigt sich von seiner variabelsten Seite und jagt, durch sein präzises Spiel, die Band vor sich her. "As Is" ist hart, schnell und macht einen leicht hektischen Eindruck. Verstärkt wird dieser durch Eddies blitzschnellem Solo. Gefällt mir sehr gut! Das moderne, düstere "Honeybabysweetiedoll" ist mir vom Härtegrad und auch vom Songverlauf einfach zu befremdlich und wirkt auf mich zu sehr konstruiert. Diamond Dave & Co. beweisen mit "The Trouble with Never" das sie aber auch anders können ... nämlich SAU GUT! Der Song transportiert gute Laune, ein tolles Gitarrenspiel und eine phantastisch agierende Rhythmussektion direkt in das Musikzentrum meines Gehirns. Klasse Leistung! Jetzt haben die Jungs wieder zu ihrer Topform zurückgefunden. Das beweist auch "Outta Space". Die Nummer wird es mit Sicherheit in ihre Live-Playlist schaffen. Der fade Beigeschmack der ersten paar Nummern löst sich langsam in Wohlgefallen auf. Nach dem 3er Pack "Stay Frosty", "Big River" und "Beats Workin'" hatten sie mich wieder da, wo ich hingehörte, nämlich kniend vor meinem kleinen VH Altar. Auf "Stay Frosty" packt Eddie seine Slide aus, sein Brüderchen haut energisch auf seine Felle ein, Sohnemann Wolle's Bassläufe wummern souverän durch den Song und David erzählt seine Story. Der Titel vermittelt einfach nur Fun und erinnert mich irgendwie an "Ice Cream Man". "Big River" reisst mich direkt vom Sessel. Es wird gerockt und sie machen keine Gefangenen. Genau so wünsche ich mir die Band! Der Rausschmeisser "Beats Workin'" groovt sich in meinen Gehörgang und dürfte auch auf der Bühne perfekt funktionieren.
Besonders am Anfang/in der Mitte stottert der VAN HALEN Motor noch etwas, steigert sich dann aber zum Schluß hin enorm und liefert dem Fan genau das, was dieser hören möchte, nämlich harten Rock 'n' Roll, der einen Tritt in die "Ringdingedingdongs" gleichkommt.
Der Die-Hard Fan hat das Album schon und alle Anhänger des klassischen US Hardrocks sollten sich das Album, in aller Ruhe anhören und selbst entscheiden, ob sich die CD bei den Klassikern der Band einreihen darf.
Das Scheibchen ist, für meinen Geschmack, eine Mischung aus "Fair warning" (She's The Woman", "You And Your Blues", "Bullethead", "As Is","The Trouble with Never", "Outta Space","Stay Frosty", "Big River" und "Beats Workin'") - gutes bis sehr gutes Material - und "Diver Down" ("Tattoo", "China Blues", "Blood And Fire" und "Honeybabysweetiedoll") - mitteläßig bis naja.
Mir gefällt die CD gut und wird zum Ende des Jahres bestimmt zu den Rock Highlights 2012 zu zählen sein. Die VAN HALEN Family + DLR rocken sich locker flockig in den oberen Bereich unserer Bewertungsskala und rotzen mal eben 8 Punkte auf meinen Rockhimmel.
Götz
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