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Udo1

Das neue U.D.O. Album „Mastercutor“ liefert ja eine mächtig interessante Story, da war es doch mal Zeit, bei Mastermind Udo Dirkschneider nachzubohren und Ihn über dies und jenes zu befragen. Ich hatte dann auch pünktlichst einen auskunftsfreudigen und gut gelaunten Udo am Rohr:
S.T.: Der Clip zu „Wrong Side Of Midnight“ ist ja wirklich ein Hammer geworden. Kannst Du mir etwas über die Entstehung erzählen?
   
U.D.: Es war ja eigentlich geplant vom Titelsong einen Videoclip zu machen, wir wussten dann auch nicht, wie wir das Ganze umsetzen sollten. Denn „Wrong Side Of Midnight“ hat ja nicht unbedingt so viel mit dem Mastercutor zu tun. Wir haben dann aber einen guten Kompromiss dahingehend gefunden, indem wir den Clip trotzdem sinnbildlich als die Geburt des Mastercutors gemacht haben. Was ja textlich in gewissem Sinne auch etwas mit vergessenem Wissen zu tun hat. Im Grossen und Ganzen stellt dies nicht ganz den Sinn von „Wrong Side Of Midnight“ dar. Wir wussten auch gar nicht so wirklich, was beim Dreh auf uns zukommt. Wir hatten zwar den Mastercutor vorher mal gesehen, als wir das Cover in groben Zügen zu Gesicht bekamen, aber wir haben uns einfach selbst mal überraschen lassen, wohin uns das Ganze führt. Beim Dreh wurde auch eine neue Technik namens „Stop Motion“ verwendet, und ich denke, dass da auch ein ganz interessantes Video entstanden ist. Wir haben auch mit dem ganzen Konzept des neuen Albums versucht, viel neues auszuprobieren und eine stimmige Scheibe abzuliefern.

S.T.: Wie seid Ihr an das neue Album herangegangen? Vor allen Dingen: welche Unterschiede gibt es von der Arbeitsweise her gegenüber früher?
 
U.D.: Es hat sich ja die ganze Technik im Studio verändert, in unserem Fall war es natürlich besonders krass, da wir ja eigentlich die Analog-Freaks gewesen sind, heute ist alles digital. Einige Dinge sind zwar durchaus noch analog geblieben, aber zu 80% ist heute alles digital. Dadurch klingt die Platte erstens mal härter, zweitens haben wir diesmal auch ein paar Leute von außen drangelassen, in erster Linie denke ich da an unseren Live-Soundengineer, der uns seit einigen Jahren den Live-Sound verpasst. Er verschrieb uns einen zeitgemäßen Sound und ist bei der neuen Scheibe auch zum Grossteil dafür verantwortlich. Das hat uns wiederum auch inspiriert, wir haben mit anderen Effekten gearbeitet und die Songs teilweise anders arrangiert. Die Basis ist die gleiche geblieben aber es ist auch eine gewisse Bandbreite an unterschiedlichen Songs dabei heraus gekommen. Es befinden sich von der Ballade bis hin zum fast thrashigen „Master Of Desaster“ viele unterschiedliche Stilrichtungen auf der Platte. Im Augenblick möchte ich das Album als guten Querschnitt unserer bisherigen Veröffentlichungen bezeichnen, es findet sich alles wieder, was wir bei den letzten 10 Alben so gemacht haben.

S.T.: Woher nehmt Ihr die Ideen für Eure Texte? Es sind ja im Laufe der Zeit schon wirklich viele Themen behandelt worden, wird es da nicht immer schwieriger, geeignetes zu finden?


U.D.: Ach, das würde ich so nicht sagen. Du musst nur mit offenen Augen durch die Welt gehen, und da wir viel unterwegs sind und einiges erleben, findet sich immer etwas, worüber man einen Song machen kann. Wenn mir wirklich gar nichts mehr einfallen würde, dann könnte ich immer noch eine Woche vor dem Fernseher verbringen und dann hätte ich mit Sicherheit Material für ein ganzes Album zusammen. Sofern es also nicht über Tod und Teufel oder auch über mittelalterliche Themen geht, finde ich, dass es eigentlich einfach ist, wenn man praktisch aus dem Leben schreibt.
 
S.T.: Neben „Wrong Side Of Midnight“ kann man auf Eurer Homepage noch viele andere Video-Clips anschauen. Überhaupt ist Eure Page wirklich super aufgebaut und bietet jede Menge toller Features. Das macht doch sicher eine Menge Arbeit.
 
U.D.: Wir haben da einen sehr fähigen Mann gefunden, nach dem wir lange gesucht hatten. Nachdem unsere Homepage vorher ziemlich tot war, da wir sie selber am Laufen hielten, schauten wir uns nach einem geeigneten Mann dafür um. Du kannst oft nicht das verwirklichen, was Du gerne hättest, schon aus Zeitgründen, wenn grade ein Recording ansteht oder einfach viel zu Tun ist, kannst Du eine Homepage, so wie sie jetzt existiert definitiv nicht unterhalten. Und ich denke, dass hier eine gute und informative Homepage entstanden ist.

S.T.: Apropos Homepage: Ihr habt auch dieses Mal wieder ein Voting laufen. Diesmal mit den Stücken der aktuellen Scheibe. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ca. 4-5 neue Songs live zum Einsatz kommen werden. Die Single „Wrong Side Of Midnight“ belegt Platz 6, der Gute-Laune-Knaller „Crash Bang Crash“ Platz 8 und „We Do-For You“ momentan Platz 10. Haltet Ihr Euch eher an die Wünsche der Fans oder kommt Ihr auch in Sachen neues Album um bestimmte Songs nicht herum, die Ihr auch spielen möchtet?

U.D.: Tja, das ist so eine Sache. Da wir im Moment fast nur Festivals spielen, gehe ich mal davon aus, dass wir den Titelsong spielen werden, der sich auch wegen des Intros anbietet. Ausserdem werden wir „Wrong Side Of Midnight“ spielen und wir werden „We Do – For You“ testen, das live eigentlich gut rüberkommen müsste. Das ist dann für uns erstmal so eine Richtlinie. Was uns sehr verwundert ist, dass „Tears Of A Clown“ den ersten Platz beim Voting belegt. Bei „Vendetta“, „Dead Man´s Eyes“ und „Master Of Desaster“ bin ich nicht so überrascht, aber insgesamt ist es sehr interessant zu sehen, was die Fans wollen.

S.T.: Du sprachst gerade von den Festivals, die demnächst anstehen. Spielst Du lieber dort oder bevorzugst Du eine Tour durch diverse Hallen?
 
U.D.: Es ist beides schön. Auf Festivals gibt’s immer ne riesen Party und es ist super, vor bis zu 50000 oder 60000 Leuten zu spielen, die alle voll mitgehen. Ausserdem gibt es natürlich eine andere Setlist auf Festivals. Wie gesagt, dort ist eher Party angesagt und somit kommt auch schon mal der ein oder andere Accept-Song zum Tragen. Die Fans wollen einfach bestimmte Songs hören, da machen wir dann auch etwas mehr Hitparade. Indoor ist halt eine ganz andere Geschichte, da dort auch optisch mehr geboten wird. Es gibt eine ausgearbeitete Show, bei der letzten Tour habe ich mich z.B. öfter umgezogen, passend zu den Stücken, dieses mal haben wir ein bisschen mehr visuelle Geschichten im Kopf, natürlich hinsichtlich des Mastercutor Konzeptes. Also ganz ehrlich gesagt mache ich lieber Indoor, da es etwas persönlicher ist.

       
S.T.: Überhaupt ist es ja nach solch einer langen Karriere mit Sicherheit äusserst schwierig, jedesmal aufs Neue die Setlist für eine Tournee zusammenzustellen. Die Leute wollen bestimmte Songs einfach hören, obwohl Ihr vielleicht manchen davon persönlich eine Pause gönnen würdet. Nach welchen Kriterien stellt Ihr Eure Setlist zusammen?
 
U.D.: Das ist der Alptraum schlechthin (lacht)! Wir werden auf jeden Fall die Accept-Nummern ganz drastisch reduzieren. Es kommen auf der jetzigen Tour wahrscheinlich drei Accept-Songs zum Zuge, vielleicht sogar nur zwei. Ansonsten hatten wir ja bei der „Mission No. X“ ein Voting mit allen U.D.O. Nummern, daran werden wir uns etwas orientieren. Dann haben wir natürlich 4-5 neue Songs, somit wird das ein ganz bunter U.D.O. Mix mitunter auch mit Nummern, die wir noch nie gespielt haben. Dann wird es einen Block geben, bei dem wir gegebenenfalls ein paar Songs austauschen können, falls wir merken, dass irgendetwas aus welchem Grund auch immer nicht so funktioniert.

S.T.: Es gibt mit Sicherheit auch lokale Unterschiede.

U.D.: Genau, wir wissen natürlich mittlerweile, was meinetwegen in Spanien gefragt ist, was aber wiederum in Skandinavien gar nicht so gut ankommt. Man hat natürlich so seine Erfahrungen und dann haben wir die Möglichkeit hier und da mal ein bisschen zu switchen und auszutauschen.
 
S.T.: Gibt es denn so ein Ereignis aus der Vergangenheit, an das Du Dich sehr gerne erinnerst, ein besonderes Konzert vielleicht?
 
U.D.: Spontan fällt mir da das Sweden Rock Festival 2004 ein. Dort hatten wir überwältigende Reaktionen auf unseren Auftritt. Ganz frisch wäre da auch noch Mexiko zu erwähnen. Da ist mit Sicherheit ein neuer Markt entstanden. Dort vor 18000 Leuten in einer Halle zu spielen war echt toll.

S.T: Ja, 18000 Leute in einer Halle wäre für Deutschland ja fast undenkbar.

U.D.: Mit Sicherheit, da hast Du Recht.

S.T.: Du hast ja kürzlich auch auf der Sweden Rock Kick Off Party in einer All-Star Band u.a. mit Mitgliedern von HAMMERFALL, TREAT, EUROPE usw. gespielt. Wie kam es denn zu diesem Event?
 
U.D.: Ja, eigentlich sollte dort U.D.O. spielen, aber dann haben sich die Veranstalter entschieden, mal was ganz anderes zu machen: eine Schweden Allstar Band. Sie riefen mich an und fragten mich, ob ich denn nicht Lust hätte dort zu singen, worauf ich natürlich sagte „aber ich bin doch gar kein Schwede“ (lacht), doch sie wollten mich unbedingt haben. Es hat jede Menge Spaß gemacht und war sehr lustig. Ausserdem war das alles sehr professionell, wir haben den Abend zuvor mal zwei Stunden geprobt, alles durchgesprochen und dann hat alles prima geklappt. Ich denke auch, dass es den Fans sehr viel Spaß gemacht hat. War auf jeden Fall eine lustige Geschichte.
 
S.T.: Das kann ich mir gut vorstellen, denn Ihr hattet ja auch nur Klassiker am Start.

U.D.: Ja, richtig. Das fing an mit „Metal Gods“ über „School´s Out“, dann noch einige ACCEPT-Nummern und auch was von U.D.O.!

S.T: Wäre das denn nicht ne coole CD?

U.D.: Ich weiß gar nicht, ob es davon Aufnahmen gibt, da bringst Du mich auf ne Idee, da könnte man mal nachforschen, ob es da was gibt.

S.T.: Du hast ja schon mit vielen anderen Größen aus dem Metalzirkus zusammengearbeitet. Mit wem möchtest Du denn mal gemeinsame Sache machen?

U.D.: Oh, da gibt es viele. Ich möchte z.B. gerne mal ein Duett mit Ronnie James Dio singen. Auch mit Ritchie Blackmore als Gitarristen, das wäre eine Sache, die mich schon mal interessieren würde.
  
S.T.: Das wäre dann praktisch eine weitere Allstar-Band! Aber gehen wir doch ein bisschen in die Vergangenheit. Michael Wagener war ja ein Schulkamerad von Dir. Ihr habt Eure ersten musikalischen Gehversuche zusammen gemacht. Hast Du denn noch Kontakt zu Ihm?

U.D.: Oh ja, ich hatte erst gestern Kontakt per E-Mail mit Ihm. Ich kenne Michael seit meinem sechsten Lebensjahr, wir haben zusammen angefangen Musik zu machen und wir gründeten ACCEPT gemeinsam. Mit ihm verbindet mich eine sehr innige Freundschaft. 1972 hat er dann einen Job bei einer P.A.Firma bekommen, so ist er dann in die ganzen Produktionsgeschichten „reingerutscht“. Er hat dann auch aufgehört Gitarre zu spielen und hat somit seinen eigenen Weg gemacht. Und ich habe den anderen Weg gemacht (lacht). 1983 gründeten wir Double Trouble Production und haben daraufhin z.B. RAVEN oder FAITHFUL BREATH produziert. Da war dann auch bei mir ganz kurz der Gedanke im Raum, umzuschwenken, aber ich habe mich dann letztendlich doch für ACCEPT entschieden.

S.T.: Und das ist auch gut so! Ich habe gelesen, dass der aprupte Schluss von „Princess Of The Dawn“ tatsächlich so gewollt war. Ich arbeite in einem CD-Laden und ich hatte schon viele Kunden, die das gute Stück deswegen umtauschen wollten, da sie dachten, die Scheibe sei defekt. Würdest Du den Schluss heute anders machen?

U.D.: Ich glaube nicht, ich fand den Schluss damals schon interessant. Es gab kein richtiges Ende für den Song, die einzige Alternative wäre ein Fade-Out gewesen, das wollten wir aber nicht und somit blieb es bei diesem aprupten Ende.

S.T.: Die Metal-Gemeinde zählt ja mit zu den fleissigsten CD-Käufern. Dennoch sind auch unter den Metallern viele Raubkopien unterwegs. Wie könnte man Deiner Meinung nach die Leute dazu bringen, wieder mehr Original zu kaufen? Denn die Künstler leben ja von den Verkäufen.

U.D.: Ich glaube zu diesem Thema könnten wir ein eigenes Interview führen. Die Uhr wirst Du nicht mehr zurückdrehen können. Natürlich möchten die Die-Hard Fans ihr Original in Händen halten. Ich denke, man muss sich die neuen Medien zunutze zu machen. Internet und Download sind die Zukunft. Ich gehe mal davon aus, dass wir in 3-4 Jahren so gut wie keine CD´s mehr haben werden, es wird alles über Download gehen. Man merkt es jetzt schon, da tut sich einiges. Ich denke auch, dass die Plattenfirmen sich bei neuen Verträgen die Download-Sache sichern. Denn wenn die Bands clever sind, machen sie gar keine Plattenverträge mehr, denn sie haben dann alles selbst in der Hand. Sie gehen selbstständig ins Studio und stellen ihre Musik danach einfach ins Internet. Vielleicht schalten sie dann noch ein paar Anzeigen in den großen Magazinen und dann brauch ich praktisch keine Plattenfirma mehr.

S.T.: Wobei es dann aber schon schade ist, wenn der Fan dann eine gebrannte CD hat und auch kein Booklet mehr dazu erhält.

U.D.: Naja, ein Booklet kannst Du ja trotzdem machen. Das setzt man dann als Download mit rein und dann druckst Du Dir das Ganze einfach aus, wenn Du möchtest. Definitiv gibt es viele Möglichkeiten in der heutigen Zeit. Ich bin zwar nicht der große Freak, aber ich kann mir ausmalen, was da so passieren wird. Und ich denke, dass es noch ganz andere Sachen geben wird, die heute vielleicht noch undenkbar erscheinen.

 
S.T.: Ja, die Zeit bleibt nicht stehen und so gibt es viele Dinge in der heutigen Zeit, die sich nicht in eine gute Richtung entwickeln. Im Video-Clip von „They Want War“ sieht man Kinder, die Krieg spielen. Zwar hat diese Frage nichts mit der Musik zu tun, aber trotzdem Die Jugend von heute ist sehr aggressiv und respektlos, wie denkst Du über diese Entwicklung?
 
U.D.: Das ist auf jeden Fall eine Sache, die immer erschreckender wird. Woher das kommt, kann ich Dir nicht sagen, vielleicht liegt es an der heutigen Ellbogengesellschaft. Mittlerweile entwickeln sich ja schon regelrechte Ghettos. Nimm z.B. Köln, ich möchte nachts nicht alleine durch Köln-Mühlheim gehen. Die Gewalt nimmt immer mehr zu, besonders auch an den Schulen. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer und die „Ideale“ der heutigen Gesellschaft, den Menschen wird viel vorgegaukelt.
 
Danach geschah der Alptraum eines Schreiberlings, denn die Interviewzeit war bereits schon überschritten und so konnte ich die restlichen Fragen leider nicht mehr stellen. Somit endet dieses Interview hier sehr aprupt, aber die übriggebliebenen Questions werde ich bei nächster Gelegenheit noch los, und vielleicht erfahren wir dann noch einige interessante Geschichten mehr aus dem Leben einer Metal-Ikone!

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