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Da mich tatsächlich ein Hardcore Album positiv beeindruckt hat, und die Jungs von TODAY FOREVER auch noch aus Kassel stammen und ich daher mal alles direkt auf Deutsch fragen konnte, habe ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen. Gitarrist Dave hat sich die Zeit genommen, um meine Fragen zu beantworten und uns einiges über das neue Werk “Relationshipwrecks” zu erzählen. Doch genug der Vorrede, rein ins Vergnügen.
Markus: Hallo Jungs! Nun hat mich der Kassel "Hardcore since 2002" fast 10 Jahre später auch erreicht. Soweit liegt Kassel auch nicht von Ingolstadt entfernt, dass man über die halbe Welt gehen müsste. Allerdings hat mich Hardcore bisher nie angesprochen und so hab ich diese Musikrichtung auch immer links liegen gelassen. Da ich also völlig unbefleckt bin, könntet ihr mir mal kurz erzählen, wie ihr euch gefunden habt. Ich bin mir sicher ihr habt diese Frage schon oft genug beantworten müssen, mich interessiert sie trotzdem.
Dave: Puh, wie haben wir uns gefunden, das liegt, wie du ja schon richtig gesagt hast lange zurück. Christian und ich (dave) haben ende der 90er schon zusammen Musik gemacht. Tim kam dann 2001 dazu. Er hatte auch schon in einigen Hardcore Bands (wie z.B. Bart's Revenge, Lifeforce.) gespielt - da allerdings noch als Sänger. Zusammen haben wir dann TF gegründet, dereinst noch mit einem anderen Gitarristen, und Christian hat neben dem Gesang auch noch Bass gespielt. Manni ersetzte dann den alten Gitarristen in 2004, was uns eine Menge mehr und vor allem bessere Melodien eingebracht hat. Ein Jahr später in 2005 konnten wir noch Marco für uns gewinnen, so dass sich Christian seither nur noch auf das Singen konzentrieren braucht. Wie wir uns genau im Einzelnen „gefunden“ haben, lässt sich nicht in zwei Sätzen erklären ;-)
Markus:. Wenn ich mich richtig informiert habe, sind eure ersten beiden Alben über eine christlich angehauchte Plattenfirma erschienen, ehe ihr zu Bastardized Records gewechselt seid. Dabei habt ihr des öfteren mit dem Missverständnis zu kämpfen gehabt, ihr würdet in euren Texten christliche Werte vermitteln wollen. Wovon handeln denn eure Texte wirklich? Leider verstehe ich sie Hardcore-typisch sehr schlecht, hihi.
Dave: Das Missverständnis war ja eher, dass es sich bei uns um eine sogenannte "christliche" Band handeln würde, die - so lautet der Verdacht - „im Mäntelchen des Hardcore“ versucht, das Publikum mit einer bestimmten Weltanschauung zu indoktrinieren. Alles Blödsinn - in unserem Fall! Wir verhandeln, so wie es sich für richtige Künstler gehört, das Leben so wie es sich uns darstellt, mit seinen Höhen und Tiefen, mit den persönlichen oder gesellschaftlichen Themen. Es geht immer um die Dinge, die uns bewegen und wie wir damit umgehen: Insbesondere um Beziehungen zu uns selbst und zu Anderen. Ich kann nur jedem empfehlen, die Texte zu lesen und sich hoffentlich an irgendeiner Stelle wiederzufinden - oder andernfalls die Musik zu sich sprechen zu lassen. Ja, das Wort "God" kommt zwar auch auf dieser Platte vor. Da haben wir dann etwas mit dem 2001er Album von Slayer gemeinsam. :-)
Markus: Mit SILVERSTEIN scheint euch ja eine sehr enge Freundschaft zu verbinden. Wie kam es denn dazu? Ihr seid einfach als Vorband aufgetreten, habt ein paar Bierchen zusammen gezischt und euch super verstanden, oder wie kann man sich das vorstellen?
Dave: Ja, ungefähr so war das. ;-) Vor einigen Jahren haben wir in Karlsruhe zusammen gespielt und hatten zu dem Zeitpunkt eine Cover-Nummer von Snapcase („Caboose“) im Programm. Als Billy (der Basser von Silverstein) das hörte, rief er seine Jungs „Hey guys, they cover Snapcase...“. Die Jungs fanden uns geil und haben uns für folgende Shows eingeladen. Seitdem spielen wir immer mal wieder mit Silverstein, haben 2008 eine komplette Europa-Tour mitgespielt und Tim, unser Drummer, war im letzten Jahr mehrfach und wird in diesem Jahr wieder mit den Jungs als Merchguy und Drumtech auf Tour gehen. Die Jungs sind halt ultranett, nicht abgehoben und man mag sich einfach.
Markus: Hat man es als Hardcore Band denn in den Staaten leichter, in good old Germany ist Hardcore ja doch im Untergrund angesiedelt? Oder wo glaubt ihr, befindet sich das Hardcore Mekka dieser Welt?
Dave: Ich denke, man hat es eher etwas schwerer. Dort gibt es einfach sauviele, sehr gute Bands. Allerdings muss man auch sagen, dass es die amerikanische Gesellschaft jungen Menschen eher erlaubt, einfach mal ein paar Jahre nur Musik zu machen. Wenn du von Touren nach hause kommst, jobst du zwischendurch bei irgendeinem Pizzadienst und wohnst bei Muttern. Sollte das mit der Musik dann irgendwann vorbei sein, machst du halt was anderes. Hier in Deutschland ist es eher so, dass du zur Schule gehst, danach kommt Ausbildung oder Studium und dann Arbeiten. Eine zwei- oder dreijährige Lücke im Lebenslauf aufgrund irgendwelcher „Musik-Eskapaden“ kommt hierzulande da eher schlecht. Das ist zumindest mein Eindruck.
Markus: Kommen wir nach dem ganzen Vorgeplänkel mal zu eurem aktuellen Album. Bereits das Cover hat mich beeindruckt. Es sticht aus der Masse der Veröffentlichungen raus und hat auch anhand der Farbgebung in diesem Grün-Grau etwas ganz eigenes. Wer ist denn dafür verantwortlich und was steckt dahinter?
Dave: Danke! Das Cover-Artwork ist von Dave Quiggle, einem amerikanischen Künstler, der schon für viele namhafte Bands (wie Sick Of It All, A Day To Remember) Designs entworfen hat. Wir kennen Dave, weil wir mit unserer ersten LP „THE NEW PATHETIC“ bei dem amerikanischen Lable STRIKE FIRST RECORDS unter Vertrag waren und er dort als Chef-Grafiker arbeitet. Wir haben ihm den Namen der Platte genannt und in etwa erläutert, was wir uns darunter vorstellen. Für den Rest hatte er quasi freie Hand und wir sind mit dem Ergebnis hoch zufrieden!!!
Markus: Ihr gebt in knapp unter 30 Minuten (das einzige Manko des Albums ist die doch sehr kurze Spielzeit, in meinen Augen) fast durchgehend Vollgas und habt es, so finde ich, geschafft eine unbändige Energie auf das Album zu bannen. Was ist euer Geheimnis?
Dave: Nochmals Danke! Die Kürze des Albums resultiert aus der Kürze der Songs. Wenn wir etwas als Stil von TODAY FOREVER beschreiben können, dann ist es wohl, dass wir kurze Songs mit wenigen Wiederholungen, Melodie und einigen Breakdowns kreieren. Ich glaube, TF lebt von der Energie. Wenn du uns live siehst, kannst du das erleben. Das versuchen wir natürlich immer auch auf der Platte festzuhalten. Ich finde jedoch, dass das nur ansatzweise gelingt, aber wenn du das so empfindest ist das für mich ein großes Kompliment.
Markus: Gibt es einzelne Stücke, die ihr als eure Favoriten bezeichnet? Wenn ja, warum?
Dave: Ich glaube uns allen gefällt „Boreout“ wirklich gut. Das ist ein sehr hartes Stück mit einer Menge Energie und doch auch mit emotionalen Passagen. Außerdem ist das Ende super groovig, so dass ich mich schon freue, den Song live zu performen. ;-)
Markus: Die Zusammenarbeit mit amerikanischen Hardcore-Größen ist bei euch fast schon Normalität. Woran liegt das? An dem engen Zusammenhalt in der Szene oder weil ihr euch schon einen verdammt guten Ruf erspielt habt? Oder liege ich völlig falsch und ihr habt einfach nur genug Kohle übrig, um die zu bezahlen ;-)
Dave:Haha, ja, wir arbeiten alle hart und da lassen wir uns dann die Gastauftritte mal richtig was kosten. ;-)
Markus: Welche musikalischen Ziele habt ihr? "Relationshipwrecks" in den Charts zu sehen? Oder gibt es Bands mit denen ihr noch unbedingt zusammen spielen möchtet?
Dave: Ich glaube von dem Gedanken, unsere Musik im Radio zu hören und damit Geld zu verdienen, haben wir uns weitestgehend verabschiedet. Wir wollen unsere Songs auf der Bühne spielen! Es gibt nichts größeres für uns, als auf einer Bühne zu stehen, die Musik, die wir lieben zu spielen und dann zu merken, dass beim Publikum was ankommt. This is where the magic happens! Da ist es auch nicht so wichtig, mit wem man sich die Bühne teilt. Natürlich ist es auch cool, mit großen Bands zusammen zu spielen. Ich persönlich würde ja mal gerne vor Metallica auftreten. ;-)
Markus: Habt ihr schon genauere Pläne, das neue Album auch live vorstellen zu können oder ist da noch alles in der Schwebe?
Dave: Einige Konzerte sind schon geplant. Wie z.B. im Musiktheater hier in Kassel am 24.02.2012. Ansonsten heißt es einfach so viele Shows spielen wie möglich!
Markus:. Habt ihr neben der Musik und der Familie, dem Job usw. eigentlich noch Zeit für irgendwas anderes? Wie kriegt ihr das alles unter einen Hut und könnt dabei doch immer stets 100% geben?
Dave: Gute Frage. Lass es mich mal so sagen: Wenn wir alle 20 wären, keine festen Jobs und Familien hätten, würden wir sicherlich mehr touren können. Die Musik ist für uns letztendlich ein Hobby. Ein sehr leidenschaftlich betriebenes Hobby bei dem wir alle versuchen so viel Herzblut zu investieren, wie wir eben können. Das kollidiert dann schon immer mal mit unserem „Privatkram“, aber wir sind eben keine Anfang 20 mehr (zum Glück;-)). Für andere Sachen gibt es dann tatsächlich nicht mehr wirklich viel Zeit. Ab und an mal ein bisschen Sport. Ach ja, und Manni, unser Gitarrist, hat seit neustem ein Pferd, das will ja auch geritten werden... ;-)
Markus: Herzlichen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews, ich wünsche euch verdammt viel Erfolg und möchte mit einer letzten Frage enden: Was sind "Relationshipwrecks" denn genau für euch?
Dave: Beziehungen sind für mich das Wichtigste im Leben. Beziehungen zu Freunden, zu mir selbst zu meiner Familie. Dennoch mache ich immer wieder die Erfahrung, dass das nicht immer alles so reibungslos funktioniert. Eigentlich ziemlich trivial. Ich denke, dass wir TF-Jungs in den letzten Jahren Zeiten durchgemacht haben, die bezogen auf Beziehungen - zu wem auch immer - nicht ganz einfach waren. In diesem Sinne beschreibt der Titel ganz gut unser Lebensgefühl oder unsere geistige Verfassung beim Schaffensprozess der Platte.
Danke für das Interview!
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