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Kenner der britischen Melodic Rock Szene wurden durch einige Comebacks und hervortreten neuer Formationen, in den letzten Jahren, richtig verwöhnt. Hört euch einfach mal die letzten Alben von AIRRACE, VEGA, AFTER HOURS und FM an und ihr wisst sofort was ich meine … hochwertige Qualität in Maße! Langsam wurde es überfällig, dass eine der unterbewertetesten Bands in Erscheinung tritt und seit dem 7. Oktober ist es nun endlich soweit! SHY sind wieder auferstanden (das letzte Album liegt nun auch schon 6 Jahre zurück) und möchten der Hörerschaft den Beweis antreten, dass sie nichts von ihren Vorzügen verloren haben. In den letzten Jahren haben mich die Briten (trotz des begnadeten Sängers Tony Mills – jetzt TNT) nicht wirklich vom Hocker gerissen und ganz ehrlich, ich war sehr skeptisch, ob mich das gleichnamige Album überzeugen wird.
Von der Aufmachung des Covers war ich schon einmal enttäuscht. Schwarzer Hintergrund und darauf das silberne Bandlogo zeugt nicht gerade von viel Kreativität. Die zweite Enttäuschung folgte sogleich, nachdem ich mir die Tracks angehört habe und feststellen musste, dass es keine weitere Gründe zum Meckern gab, sondern das SHY ein außerordentlich gutes Album abgeliefert haben.
2011 bestehen die Melodic Rocker aus: Lee Small – Vocals (u. a. PHENOMENA) Steve Harris – Lead & Rhythm Guitars Roy Davis – Bass Joe Basketts – Keyboards Bob Richards – Drums
Vom selbstbetitelten Silberling kann ich einfach nur gutes berichten. Die Briten servieren uns eine tolle, teils symphonische Mischung aus AOR und Melodic Rock, der mit genügend Power und Härte dargeboten wird. Stilistisch liegen SHY mit der neuen Scheibe irgendwo zwischen FM, SURVIVOR etc. und ist für mich der ultimative Nachfolger des 1987 erschienenen Albums “Excess All Areas”. Die Herren um Steve Harris haben es endlich wieder geschafft spannende Ideen mit tollen Melodien zu verbinden und klingen weniger gezwungen als in der Vergangenheit. Harris und Basketts liefern sich coole Duelle an ihren Instrumenten und auch die Rhythmussektion, bestehend aus Richards und Davis, agiert mit einer gehörigen Portion Spielfreude. Natürlich war ich besonders auf den Gesang von Lee Small gespannt, der ja wirklich ein schweres Erbe antreten musste. Stimmlich sind keine Ähnlichkeiten auszumachen und Lee versucht auch gar nicht erst Mills zu kopieren. Sein Organ ist tiefer angesiedelt und kann eher mit dem von Steve Overland (FM) verglichen werden. Er versteht es sehr gut, dem jeweiligen Song das nötigte Feeling einzuhauchen und man kann der Band zu der Anstellung des Sängers nur gratulieren. Die Studiofeuertaufe hat der Sänger mit Bravour bestanden!
„Shy“ bietet eine schmackhafte Mixtur aus kraftvollen Rockern, Pomp und gefühlvollen Songs, die aber nie im puren Kitsch abdriften. Gleich der Opener „Land Of A Thousand Lies“ überraschte mit sehr positiv. Der getragende, symphonische, leicht mystisch anmutende Beginn leitet einen kraftvollen Heavy Rocker ein, der mich mehrmals irritiert auf die Promoinfo schauen liess, ob es sich bei der Mucke wirklich um den neuen Output der Melodic Rock Veteranen handelte. Besonders Harris liefert eine klasse Leistung ab, welche nur noch von Lee getoppt wird. Sein voluminöses Organ thront über den Song und lässt seinen sehr guten Vorgänger schnell vergessen. Mit „So Many Tears“ legen die Herren noch eine Schippe drauf und der Sänger holt das Optimum aus seinen Stimmbändern heraus. Die Gitarrenläufe fesseln den Zuhörer und sorgen dafür, dass sich meine Nackenhaare aufstellen. Für mich ist der Song zu den Highlights zu zählen. Mit der Ballade „Breathe“ ist es der Band gelungen, einen der besten AOR Songs des Jahres zu veröffentlichen. Der Track ist bis ins kleinste Detail arrangiert, verfügt über eine Portion Dramaturgie, wahnsinnig geilen Harmonien, an den Eiern packenden Gesang und präsentiert eine souverän agierende Band. Die Combo gibt dem Zuhörer keine Zeit um zu verschnaufen. „Blood On The Line“ ist ein erstklassiger Heavy Rocker bei dem Basketts's Instrument eine dominante Rolle spielt. Trotzdem geht der Songs schön nach vorne los und ist zu den härteren Stücken des Albums zu zählen. Bisher konnte mich der neue Sänger absolut überzeugen und mit seiner Leistung auf „Live For Me“ bekräftigt er diesen gewonnenen Eindruck noch einmal. Der Pomp Rocker bietet Lee genau den richtigen Nährboden um sich richtig austoben zu können. Der Bengel hat eine Menge Soul in seinen Stimmbändern und es ist einfach nur genial, mit was für einer Passion er den Titel intoniert. WAHNSINN! Der vorletzte Song zeigt die Band wieder von ihrer pompösen/symphonischen/dramaturgischen Seite, bei dem der außergewöhnliche Refrain hervor sticht. Harris und Basketts legen sich richtig ins Zeug und zaubern einen phantastischen Soundteppich, der auch ohne Lee's tollen Gesang, einfach nur begeistert. Das Stück hätte auch sehr gut als Instrumental funktioniert.
Nach einem ca. 66 minüten AOR/ Melodic Rock Feuerwerk ist dann leider Schluß, aber wofür gibt es die Repeattaste ;-)?!
Ich habe im Leben nicht erwartet, dass sich SHY mit so einer erstklassigen Leistung zurückmelden würden. Wer Scheiben von Bands wie FM, SURVIVOR, WORK OF ART im Regal stehen hat, kommt nicht daran vorbei, sich dieses phantastische Album zu kaufen.
Für mich ist „Shy“ eine der positivsten Überraschungen im Melodic Rock Bereich und hat sich starke 9 Punkte verdient.
Götz
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