|
SHANNON sind eine der wenigen Bands aus Frankreich, die noch den reinrassigen, klassischen Hardrock mit amerikanischer Prägung spielen. Sänger Olivier Del Valle hat sich unseren Fragen gestellt, und dabei hat sich herauskristallisiert, dass er ganz schön auf deutsche Gruppen seiner Zunft steht! Da die Band aus Paris bei vielen unserer Leser noch nicht so bekannt sein dürfte, steht am Anfang natürlich die Frage aller Fragen:
S.T.: SHANNON gibt es zwar schon ganze zehn Jahre, aber dennoch dürften viele die Band noch nicht kennen. Könntest Du bitte einmal die Geschichte der Band kurz zusammenfassen?
O.D.V.: SHANNON wurde Anfang 1998 von Patrice Louis (g) und Thierry Dagnicourt (k) gegründet. Angefangen haben wir als Cover-Band (BON JOVI, VAN HALEN etc.), ich stieß dann im Laufe desselben Jahres dazu. Für unser Debütalbum bekamen wir Verstärkung von Claude Thill (b, ex-DER KAISER) und Maxence Pilo (d, ex-HEAVENLY). Die Platte kam im November 2003 über das Label Anvilcorp raus, danach sind wir viel live aufgetreten, u.a. mit AXXIS, PINK CREAM 69 und JEFF SCOTT SOTO in Paris. Mitte 2005 hatten wir unsere ersten Veränderungen im Line-Up, Claude und Maxence verließen die Band, für sie kamen Nicolas Fixy am Bass und Benjamin Bergerolle an den Drums. Beide spielten vorher bei der französischen Epic-Progressive-Band TAI PHONG. Angestachelt vom Erfolg des Debüts haben wir dann erneut das Studio geentert um einen würdigen Nachfolger zu machen. Seither ist das Line-Up übrigens stabil.
S.T.: Wie kommt man in der heutigen Zeit darauf, solche Musik zu machen?
O.D.V.: Eigentlich gibt es keinen bestimmten Grund dafür, es ist einfach die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Für uns ist es wie natürlich, diese Art von Musik zu spielen. Die meisten Bands damals hatten die richtige Mischung aus Melodie und Power, und das gefällt uns sehr gut. Ich glaube, dass wir dieses „Gefühl“ sehr gut in die Gegenwart transportiert haben und man es in unserer Musik spüren kann. Es gibt ja auch viele Bands wie GOTTHARD, PC 69, BONFIRE, DANGER DANGER, JADED HEART oder WHITE LION, die Musik in der „alten“ Tradition machen. Ich glaube auch, dass diese Art von Musik eine gute Zukunft haben kann, auch wenn es nicht mehr so viele Fans dafür gibt als noch in den Achtzigern. Aber das Publikum, das diese Musik hört, ist sehr loyal, kauft nach wie vor CD´s und besucht gerne Konzerte. Wenn ich einige meiner Lieblingsbands nennen soll, haben wir da z.B. JUDAS PRIEST, DEF LEPPARD, IRON MAIDEN, WHITESNAKE, die ja alle der NWOBHM angehören, auf der anderen Seite sind da noch BON JOVI, VAN HALEN, MÖTLEY CRÜE, DOKKEN oder WHITE LION. Es waren so viele, dieses Jahrzehnt gab uns viele gute Bands. S.T.: Das neue Album ist doch nen Zacken härter ausgefallen als das Debüt. Was waren die Gründe hierfür?
O.D.V.: Es ist schon so, dass sich unsere Musik etwas verändert hat, die Tracks auf „Angel In Disguise“ sind gegenüber dem Debüt erwachsener geworden. Unser Stil ist direkter geworden, ist aber immer noch melodisch und heavy. Die Songs sind einfach homogener als auf dem Debüt. Ich denke, dass bei der ersten Platte die Band einfach noch nicht komplett war, wir hatten die Songs noch nicht genug gespielt, bevor wir sie aufgenommen haben. Dieses Mal hatten wir mehr Zeit, wir haben die Songs im Proberaum ausgearbeitet und wir haben sie vorher schon live erprobt, und das verändert vieles. Einer der größten Unterschiede zwischen den beiden Alben ist auch der Level der Produktion. Sie ist einfach ausgereifter und qualitativ hochwertiger.
S.T.: Gibt es bei Euch einen Hauptsongwriter oder enstehen die Songs als Band? Vielleicht kannst Du uns etwas darüber erzählen, wie das bei SHANNON so abläuft.
O.D.V.: Die erste Phase der Komposition übernehmen meistens Patrice, Thierry und ich. Wir machen uns Gedanken über die Riffs, die Melodien, Rhythmuslinien und die Vocals. Danach nehmen wir praktisch ein Sample auf und ziehen Nico und Benji hinzu. Sie bringen ihre eigenen Einflüsse mit hinein, die Arrangements machen wir als Band. Jedem gefällt diese Arbeitsweise am Besten und es funktioniert auch super. Die Texte sind meistens von mir, aber da gibt es keine Regeln, jeder kann seine Ideen mit einbringen.
S.T.: Wie wichtig sind die Texte bei Euch? Kommen die Themen aus dem täglichen Leben oder bevorzugt Ihr eher die Fiktion?
O.D.V.: Naja, zuerst einmal ist Englisch nicht unsere Muttersprache und wir benutzen sie ja nur zum texten. In Frankreich beherrschen die meisten Leute kein Englisch, auch wenn sich das die letzte Zeit ein wenig ändert. Es ist schon ziemlich schwierig, die Texte in gutem Englisch umzusetzen. Wir haben auch keine bestimmte Vorgehensweise, mal sind die Texte ausgedacht, manchmal aus dem Leben gegriffen. Wir haben Songs mit leichteren Lyrics, aber auch welche mit finsteren, bösen Themen. „Do You Know“ ist ein gutes Beispiel für unsere dunklere Seite: Der Song handelt vom Tod, was uns erwartet, wenn wir diese Welt verlassen müssen. Es ist auch eine Einladung, sich damit auseinanderzusetzen, die richtige Seite zu wählen, die Wahl zwischen Gut und Böse. Übrigens: der Albumtitel „Angel In Disguise“ und das Mädchen auf dem Cover mit diesem Ausdruck im Gesicht sollen vermitteln, dass die Welt manchmal eine andere ist, als es im ersten Augenblick aussieht. Sie ist voller trügerischer Dinge. Die Texte zu „No Better Times“ sind wiederum eher mehr Fun. Im Endeffekt entstehen unsere Texte also aus der momentanen Laune heraus, ohne einen festen Rahmen haben zu müssen.
S.T.: Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Jens Walkenhorst (WILD FRONTIER)?
O.D.V.: Ja, das ist eine Geschichte, die die moderne Technik so mit sich bringen kann. Wir kamen über myspace in Kontakt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, wir waren auch mit Mario (Erdmann, Bassist von WILD FRONTIER) in Kontakt, er ließ uns wissen, dass ihm unsere Musik sehr gefällt, auch wir mögen das, was die Jungs machen, da haben wir Jens einfach angeboten, ein paar Background Vocals beizusteuern. Er hat sofort zugesagt, das war alles sehr unkompliziert.
S.T.: Ihr habt für die aktuelle Scheibe einen Vertrag beim deutschen Label MusicBuyMail unterschrieben. War das Euer einziges Angebot?
O.D.V.: Nein, wir hatten schon andere Angebote, aber der Artist Service/MusicBuyMail-Deal hat uns am Besten gepasst. Was auch ein ausschlaggebender Punkt war, war einfach die Tatsache, dass sie sich nur mit dieser Musikrichtung beschäftigen und dass die Promotion sehr gut sein würde.
S.T.: Wie sind denn die Reaktionen auf Euer Album? Seid Ihr zufrieden mit den Reaktionen und den Verkaufszahlen bis jetzt?
O.D.V.: Das Album wurde fast überall gut aufgenommen. Das ist sehr positiv für uns. Die Reviews sind dabei für uns gar nicht das Wichtigste. Die Fans sollen entscheiden, was ihnen gefällt. Wir hoffen natürlich, dass die Fans unsere Platte genauso mögen wie die Presse. Es ist sehr schwierig für eine französische Hardrock-Band, einen weltweiten Deal zu haben und es ist eine Ehre für uns, so viele gute CD-Besprechungen zu erhalten. Der erste Eindruck bezüglich der Verkaufszahlen ist auch recht positiv.
S.T.: Ihr habt ja zwei neue Bandmitglieder, die vorher bei TAI PHONG gespielt haben. Denkst Du, dass sie einige Prog-Elemente mit in die Band bringen könnten?
O.D.V.: Oh, ich denke nicht, dass Nico und Benji uns in dieser Weise beeinflussen. Es ist eher so, dass sie mehr Power in die Band gebracht haben, was uns noch ein wenig gefehlt hat. Beide haben ja auch Jazz/Funk Einflüsse, aber hören auch viel Rock. In erster Linie haben sie der Band eine solide Rhythmussektion beschert. Außerdem bereichern sie uns auch in menschlicher Hinsicht, denn dieser Gesichtspunkt ist für uns sehr wichtig auch in Bezug auf die Qualität unserer Musik.
S.T.: Gibt es denn auch Pläne für eine Tour speziell natürlich für Deutschland?
O.D.V.: Im Moment sind wir noch sehr mit der Promotion unserer Platte eingespannt. Wir verbringen viel Zeit damit, Interviews zu führen und auch Radioauftritte zu machen. Aber wir sind natürlich nicht inaktiv, was den musikalischen Aspekt betrifft. Im Moment arbeiten wir an einer geeigneten Setlist, ich hoffe, dass wir bald in der Lage sein werden, ordentlich zu touren. Einige Shows sind bereits bestätigt, die aber alle in Frankreich stattfinden werden. Natürlich hoffen wir, bald über die Grenzen hinaus live aktiv sein zu können, aber das hängt sehr vom Erfolg der neuen CD ab.
S.T.: Gibt es denn eine Band, mit der Ihr gerne mal auf Tour gehen würdet?
O.D.V.: Oh, da gibt es einige. Wir hatten ja schon die Gelegenheit, mit PC 69, GOTTHARD, AXXIS und JEFF SCOTT SOTO zu spielen. Wir haben all diese Konzerte in sehr guter Erinnerung behalten. Ich persönlich möchte sehr gerne einmal mit BONFIRE spielen, JADED HEART oder DANGER DANGER wären auch super. Sollte einmal die Möglichkeit bestehen, mit Bands wie WHITESNAKE oder ähnlichen auftreten zu können, würden wir das selbstverständlich auch nicht abschlagen, aber das ist ein anderer Traum, haha.
S.T.: Kannst Du mir denn etwas über die französiche Rock-Szene heutzutage erzählen. Ich denke mal, dass es da nicht so viele Bands wie Euch geben wird, oder?
O.D.V.: Wie Du wahrscheinlich wissen wirst, ist Frankreich nicht gerade eine Weltmacht in Sachen Rockmusik. Du kannst Dir vorstellen, dass es echt hart ist für Rockbands, einigermaßen Fuß zu fassen. Aber es gibt schon ein Publikum für uns. Es liegt größtenteils an den Medien: Hardrock wird nicht unterstützt, wird einfach von den großen Majors ignoriert. Aber es gibt eine handvoll Magazine und viele Webzines, die uns unterstützen. LIGHTSEEKERS AND MANIGANCE oder SNAKE EYE zum Beispiel sind coole französische Hardrock-Bands, sie spielen echt gute Musik, aber es gibt nicht viele Bands in unserem Land, die einen Vertrag mit einem Majorlabel haben. In Frankreich glaubt niemand daran, dass Hardrock überleben kann, vor zehn Jahren haben noch große Bands wie BON JOVI, SKID ROW oder DEF LEPPARD auch in Frankreich gespielt. Wenn sie heute auf Tour gehen, scheint es so, als läge Frankreich nicht auf ihrer Landkarte. Überall dominieren R´n B, Hip Hop oder Techno unsere Musiklandschaft, aber das ist natürlich nicht die Art von „Musik“, die wir hören.
S.T.: Habt Ihr Euch irgendwann einmal gewünscht, einen komplett anderen Stil zu spielen, als ihr es jetzt macht?
O.D.V.: Oh, ich denke, ich fühle mich sehr wohl mit „unserer“ Musik. Melodic Hard Rock ist genau der Stil, den ich liebe und der mir sehr viel Spaß macht.
S.T.: Seid Ihr denn schon dabei, neues Material für einen eventuellen Nachfolger zu schreiben, oder was ist Eurer nächstes Projekt?
O.D.V.: Wir haben schon begonnen, neue Songs für das nächste Album zu schreiben, es sind auch schon ein paar Nummern auf der Zielgeraden. Wenn alles gut geht, könnte die nächste CD Ende 2009 das Licht der Welt erblicken.
S.T.: So, nun hast Du die Gelegenheit, ein paar Worte für die deutschen Fans loszuwerden:
O.D.V.: Viele Grüsse an die Leser von Rockingboy. Ich hoffe, dass Euch unser neues Album gefällt und dass wir bald die Gelegenheit haben werden, Euch auch live zu sehen. Für alle, die uns noch nicht kennen, checkt unsere myspace-Seite: http://www.myspace.com/shannonbandrock
S.T.: Ok, das wäre es für heute, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg.
O.D.V.: Vielen Dank für die Möglichkeit, SHANNON Euren Lesern vorstellen zu können, Ich wünsche auch Rockingboy alles Gute.
Wie Ihr seht, ist Olivier ein wirklich netter Kerl und macht mit seiner Band richtig coole Mucke. Da steht doch einer Erweiterung Eurer CD-Sammlung nichts mehr im Wege, oder? Stefan
|