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Kurze Info für alle die Philip Sayce noch nicht kennen:
Philip Sayce wird 1976 in Wales geboren, seine Eltern ziehen, als er zwei Jahre alt ist nach Toronto, Canada. Geprägt von der Musikleidenschaft seiner Eltern, die regelmäßig Clapton, Ry Cooder oder Dire Straits auflegen, erlangt Philip schnell Interesse am aktiven Musizieren und erlernt nebst Gitarre das Piano und andere Instrumente. Mit 15 spielt Philip erstmals in einer Schulband, danach mit seinem besten Kumpel, Schlagzeuger Cassius Pereira in diversen anderen Bands. Seine Vorbilder Jimi Hendrix und vor allem Stevie Ray Vaughan prägen sein Gitarrenspiel stark. Durch sein filigranes Gitarrenspiel wird Jeff Healey im Jahre 1997 auf Philip aufmerksam und lässt anfragen ob dieser Lust hat der Band des blinden Gitarristen beizutreten. Dessen Song „See The Light“ hatte Sayce bereits im zarten Alter von 11 Jahren im Auto seiner Eltern sitzend gepackt, somit steht der Zusammenkunft nichts im Wege. Dreieinhalb Jahre lang bereist er mit Healey die Welt um ihn auf dessen Tournee zu unterstützen, unter anderem treten sie 1997 auf dem wichtigen Montreux Jazz Festival in der Schweiz auf und begeistern das Publikum total. Im Jahr 2001 verlässt Sayce die Jeff Healey Band um in der Folgezeit diverse Projekte bzw. Bands zu unterstützen, neben Unkle Kracker begleitet er Melissa Etheridge zeitweise, mit der er 2007 das Album „The Awakening“ einspielt. Seit 2009 geht Philip Sayce seiner Solo-Karriere nach. Neben den Alben „Peace Machine“ (2009) und „Innerrevolution“ (2010) erschien im Juli diesen Jahres das neue Album „Ruby Electric“.
Auf RUBY ELECTRIC erwarten uns 6 bisher unveröffentlichte Studio- und 8 Livetracks aus der DEEP PURPLE Tour des letzten Jahres. Sayce legt mit „Let The Love In“ los, einem Duett mit seiner langjährigen Weggefährtin Melissa Etheridge. Sofort fällt der im Vergleich zum glatten Vorgänger „Innerrevolution“ rauhe Sound auf, der dem Hörgenuss aber keineswegs im Wege steht. Im Gegenteil, die Nummer strotzt vor Kraft und macht Spaß. Wer hier jedoch reinen Bluesrock erwartet wird enttäuscht sein. Die nächste Nummer, „Set Us Free“ ist im Gegensatz zum soulig-funkigen Opener eine rockige Uptemponummer, die um Sayces Gitarrenriffs und tollen Solopart im Mittelteil herum gebaut wurde. Die wunderbare Ballade „Daydream Tonight“, für viele das Highlight des letzten Albums wird hier nochmals präsentiert, allerdings in einer anderen, weniger glatten Fassung. Doch auch diesmal überzeugt Sayce absolut, auch wenn ich ständig den Namen Lenny Kravitz im Hinterkopf habe. Mit dem schnellen „King Of New Mexico“ wird klar dass einer der Haupteinflüsse des begnadeten Gitarristen Jimi Hendrix heisst, zu offensichtlich sind die Parallelen. Mit der eingängigen aber etwas zähen Ballade „Were You There“ und dem harten, erneut an Hendrix erinnernden Titelsong „Ruby Electric“ beschliesst Sayce den kurzweiligen ersten Teil der Platte.
Der aus diversen Liveaufnahmen zusammengeschnitte zweite Teil der Scheibe bringt uns einige seiner bekannteren Songs ins Haus. Auch wenn dieser Zusammenschnitt den Besuch eines Sayce Konzertes niemals ersetzen kann zeigt er doch welche Spielfreude und Energie der Gitarrist in seine Bühnenshow legen kann. Begleitet von seiner sehr routinierten Band um Joel Gottschalk am Bass und Fritz Lewak am Schlagzeug hören wir nach dem instrumentalen Intro „Helios“ das schnelle „One Foot In The Grave“ gefolgt von „Powerful Thing“ das leider etwas uninspiriert wiedergegeben wird und im Vergleich zum 8 minütigen Nachfolger „Slip Away“ vom Erstling „PEACE MACHINE“ stark abfällt. Jetzt zeigt Sayce seine ganze Stärke, sein wunderbares Gitarrenspiel, sowohl im Dienst seiner Band als auch als Solist. Dazu sein unauffälliger aber harmonischer Gesang der dem Song das gewisse Etwas verleiht. An dieser Stelle wünscht man sich vor Ort gewesen zu sein. Das nachfolgende „Alchemy“ zählt für mich zum Höhepunkt des zweiten Teils der Platte. Man hört die berühmte Stecknadel fallen und wird vom Sound der Gitarre gefangen. Gelegentlich könnte man zwar meinen Mark Knopfler stehe mit auf der Bühne, doch zeigt dies doch nur die Wandelbarkeit des jungen Gitarristen Sayce. Schön. „Take You Away“ und „Angels Live Inside“ können mich beide nicht ganz überzeugen, für meine Vorstellungen werden beide Songs zu routiniert heruntergespielt und es mangelt mir an Atmosphäre. Handwerklich jedoch perfekt, keine Frage. Mit einem abschliessenden Medley das laut Coveraufdruck nebst Neil Youngs „Cinnamon Girl“ noch „I Want You (She's So Heavy) der Beatles enthalten soll (welches ich aber nicht raushören kann) endet eine Platte mit Licht und Schatten. In guten Momenten hören wir einen begnadeten jungen Gitarristen mit toller Stimme, der es aber hier und da versäumt dieses Pfund einzusetzen. Somit bleibt eine Wertung zwischen mittlerem und oberem Drittel.
Bernd
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