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Band: Pavlov’s Dog Album: LIVE and unleashed Spielzeit: 76:06 Plattenfirma/Vertrieb: Rockville Music / Soulfood Music Veröffentlichung: 28.01.2011 Homepage: www.rockville-music.de Wertung: 7 von 10 36 Jahre Bandgeschichte musste der geneigte Pavlov’s Dog-Fanatiker warten, bis er eine offizielle Live-CD seiner 70er-Helden in Händen halten darf. Fürs Vinylzeitalter hat’s nicht mehr ganz gereicht, die CD-Ära hat man gerade noch so erwischt. Die 1972 in St. Louis, Missouri gegründete Band um den eigenwilligen Sänger David Surkamp erschuf in ihrer Kernphase gerade mal zwei Alben, das Dritte blieb nach einstweiliger Bandauflösung erstmal verschollen, ein paar Side- und In-Between-Projects haben eine übersichtliche Anzahl an Tonträgern über die Dekaden verstreut. Ein neues Studioalbum in aktueller Besetzung wurde 2010 unter dem Namen “Echo&Boo” veröffentlicht. Einen Querschnitt dieses Schaffens gibt es jetzt in Form eines Live-Mitschnitts der 2009er-Europatour, auch unter vorausnehmender Miteinbeziehung vier neuer Songs des eben erwähnten Neulings. 2004 nach vorübergehenden Auflösungen reformiert, tourt die Band seither mit schöner Regelmäßigkeit und einem generationenübergreifenden bis familiären Line-up. Label und Vertrieb sind mittlerweise fest in deutscher Hand und auch die tontechnischen Arbeiten am Album wurden im Süden unseres Landes qualitativ ansprechend konfektioniert.
Eröffnet wird der Abend mit dem instrumentalen Preludin in e-moll, das aus der Feder des Original-Geigers Siegfried Carver stammt, der 2009 in Kansas (ausgerechnet) leider verstarb. Chronologisch korrekt geht es übergangslos zum epischen “Of Once And Future Kings” vom selben 1974er Debüt-Album “Pampered Menial” über. Schöne Prog-Vollbedienung zum Auftakt. Geigerin Abbie Heinz weiß sowohl bei alten wie neuen Nummern zu überzeugen, auch wenn man im Laufe des Abends hie und da merkt, dass Violine ein zu intonierendes Instrument ist. Aber egal, inspiriertes Spiel und man weiß wenigstens, dass man nicht mit tontechnischer Nachbearbeitung hinters Licht geführt wird (man höre sich nur Robbie Steinhardt Intonation auf Kansas’ “Two For The Show” an).
Die Setlist ist eine gelungene Mischung aus sämtlichen Veröffentlichungen, auch von Surkamps Solo-CD “Dancing On The Edge Of A Teacup” und seiner zwischenzeitlichen Band “Hifi” (“Heart Of Mine”). Von “Dancing...” ertönt auch das von seiner Frau Sara Surkamp gesungene “Wrong”. Schöne Abwechslung, wenn mal eine tiefer und sonorer singt als ihr Mann. David lässt sich’s trotzdem nicht nehmen, im Refrain die Terz drüber zu singen. Überhaupt war ja seine Stimme im Laufe der Bandgeschichte bekanntermaßen nie über jede Kritik erhaben, falsettierte er doch schon bevor Bands wie Rush, Journey, Kansas... in Mode kamen. Das Jungspundfalsett ist natürlich inzwischen brüchiger geworden, manche mögen es auch als erdiger/brustiger bezeichnen, lediglich “Gold Nuggets” vom 1976er-Album “At The Sound Of The Bell” lässt noch mal die Illusion eines Kastraten erwachen.
Mike Safron am Schlagzeug begleitet als einziges weiteres Gründungsmitglied seinen alten Freund mit gewohnter Solidität. Mike war für die Gründung der Band von entscheidender Bedeutung und hat dafür sogar seinen Job bei der ortsansässigen Chuck Berry Band geopfert. Alle anderen Bandmitglieder dieses Septetts sind im Lauf der Zeit aus aller Herren und Damen Länder hinzugestoßen, teilweise mit erheblichen Altersunterschieden. Entsprechend bunt und inspiriert klingt dieses Konglomerat denn auch, mit gehöriger Spielfreude und von virtuosem Handwerk.
Die Vertreter der „Mehr Melodie”-Fraktion mögen das Fehlen des Hits “Julia” auf dieser Live-Kompilation bemängeln, der gestandene Procker wird dies mit einem Achselzucken quittieren.
Für Fans der ersten Stunde eh ein Muss, für Freunde von Rush (Falsett) und Kansas (Violine) eine Versuchung wert.
Thomas
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