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Vor kurzem schneite „Nothing To Undo – Chapter Six“ der neue Longplayer der Hamburger Powermetaller METALIUM rein und machte sich in meinem CD Player breit. Die Mischung machts und die haben die Jungs um Bassist und Mastermind Lars Ratz diesmal vorzüglich hingekriegt. Vom stapfenden Midtempo-Groover, über die Speedattacke zur melodiösen Halbballade ist alles enthalten und macht das sechste Menü besonders schmackhaft. Zeit also,um nachzuhaken, was im METALIUM Lager alles in letzter Zeit passiert ist. Problemlos
also einen Interviewtermin ausgemacht und pünktlich hatte ich dann Lars auch schon am Hörer.

Nach ersten technischen Problemen seitens meines Telefons fand ich dann auch einen wunderbaren Einstieg, der am meisten Ähnlichkeit mit einem riesengroßen Fettnäpfchen hatte. Aber hört selbst.

M.R.:Hattest du 1999 als METALIUM an den Start ging eigentlich gedacht, 2007 noch immer unter diesem Banner aktiv zu sein? Schließlich hatte das Ganze mit Chris (Caffery – SAVATAGE) und Mike (Terrana – Ex-RAGE, Ex-Dutzender anderer Bands) doch fast Projektcharakter.

L.R.:Also METALIUM war noch nie als Projekt geplant. Es war so, dass die Presse meinte, es wäre ein All-Star-Projekt. Da hatte man den Stempel so schnell weg. Auch Mike fand es klasse, da es für ihn das erste Mal war, dass er in einer Band mitwirken durfte. Bei Chris wussten wir natürlich, dass SAVATAGE erstmal seine Priorität bleibt. Der Kern der Band bestand damals schon und wir haben also über die Jahre nur einmal einen Gitarristen und einen Schlagzeuger gewechselt. Das kriegt manche Band in ihrer ganzen Laufbahn nicht hin.

M.R.: Doch nun mal schnell zum neuen Album geschwenkt. Leider habe ich keinerlei Info, wer das Sahneteil produziert hat. Es kracht nämlich ganz schön. Hast du das selbst gemacht?

L.R.: Ja, seit Anbeginn dieser komischen Musikkapelle.

M.R.: Dich kann man also getrost als Multitalent bezeichnen. Du hast dir deine Bässe selber gebaut und du hast eben Monster Productions am Start.

L.R.: Es ist schon so, dass ich viele Dinge selbst mache, damit es letzten Endes so wird, wie man es will. Ich muss aber doch gestehen, dass ich ein paar Jahre gebraucht habe, bis ich Arbeit an andere abgeben konnte. Für das Booklet zu Chapter 1 und 2 habe ich selbst mit Photoshop rumgefummelt, gemacht und getan. Mittlerweile habe ich dann Leute für mich arbeiten, die ich delegieren kann. Ich musste es aber schwer lernen zu sagen, komm, die physikalische Grenze ist jetzt erreicht. Augenringe, kein Schlaf und solche Dinge eben. Bei wichtigen Dingen muss ich aber auch jetzt noch mittendrin sein, weil es halt doch mein Baby ist.

M.R.: Soweit ich weiß, bist du auch zweifacher Vater. Wie kriegst du das denn überhaupt zeitlich auf die Reihe? Tourleben, Produktion der Platte und Familie unter einem Hut?

L.R.: Es ist auf jeden Fall nicht leicht, aber über die Jahre entwickelt man Routinen und Taktiken. Man muss natürlich auch eine Frau haben, die da mitzieht.

M.R.: Wie läuft bei METALIUM dann der Arbeitsablauf ab? In einem alten Interview habe ich gelesen, ihr trefft euch erst kurz vor der Produktion, spielt euch gegenseitig die neu geschrieben Songs vor und entscheidet dann was aufs Album kommt.

L.R.: Ganz genau so, wie du es gesagt hast. Wir sind privat vier unterschiedliche Charaktere, die eigentlich sonst gar nichts gemein haben.Wir würden nicht auf die Idee kommen, uns zu treffen, um privat irgendwohin zu gehen. Dazu sind wir zu verschieden. Deswegen ist es für mich immer wieder verblüffend, wenn wir uns treffen, dass wir es schaffen unsere Kreativität zusammen zu werfen, umrühren und es kommt hinterher was raus, das gar nicht so schlecht ist. Vielleicht ist das auch gerade der Grund. Man könnte es mit einem Liebespaar vergleichen, das sich nicht jeden Tag sieht. Da ist es dann auch umso intensiver. Auch wenn wir auf Tour gehen, treffen wir uns drei Tage vorher im Proberaum und bevor wir den ersten Ton spielen, wird sich erstmal hingesetzt, ein Bier getrunken und erzählt, was denn in den letzten Monaten eigentlich so passiert ist. Das hat schon was von Pfadfinderausflug, wenn wir auf Tournee gehen.

M.R.: Kommen dann gegen Ende der Tournee dann schon erste Reibereien, weil man doch lange aufeinander sitzt?

L.R.: Nein, wenn wir auf Tour sind, dann sind das 3 Wochen oder so. Wir haben uns noch nie untereinander gestresst, wenn wir unterwegs waren. Es kommt vor, dass Stresssituationen auftreten, wenn man mit einer anderen Band im Nightliner sitzt und sich nicht so gut versteht. Musiker sind halt sehr sensibel, besonders Sänger. Dann rauchen die vorne und der Sänger ist genervt, aber das ist alles im grünen Bereich.

M.R.: Noch habe ich zum neuen Album noch keine Tourdaten entdecken können. Bisher wart ihr immer recht früh auf Achse. Gibt es da schon was konkretes?

L.R.: Es gibt verschiedene Gespräche. Aber eigentlich werde ich 2007 hier drüben auf Mallorca in meinem Studio produzieren. Henning baut sich gerade seine Gesangsschule auf. Michael spielt bei ULI JON ROTH noch Schlagzeug. Insofern sind wir alle eingespannt, außerdem sind wir keine 20 mehr. Diesen Trott Platte-Tournee-Platte-Tournee, muss man nicht auf Krampf machen,weißt du? Wir bleiben ganz easy und locker in dieser Hinsicht. Wenn ein gutes Angebot kommt, das uns überzeugt, machen wir es. Ansonsten fangen wir schon mal an, an der nächsten Platte zu schreiben.

M.R.: Textlich weicht das neue Album vom bisherigen Konzept ab. Um was geht es in Chapter Six?

L.R.: Es geht um Enttäuschung, Hass, betrogen und angelogen zu werden, die Abgründe der menschlichen Seele. Deswegen klingt es auch etwas düsterer als die anderen. Jeder im Leben wurde schon einmal angelogen. Es gab Leute, die einen anpissen wollten. Und diese Erfahrungen, die ich in meinem kurzen aber nicht langweiligen Leben gemacht hab, hab ich kanalisiert, den ganzen Ärger in diese Texte zusammengepresst. Teilweise schon erschreckend direkt. Aber das war so eine Art Selbsttherapie, wenn du willst. Es gibt eigentlich nur 2 Möglichkeiten. Entweder du setzt dich in die Ecke,heulst, und denkst darüber nach, wie blöd das war und warum die das gemacht haben. Oder du sagst dir ok, ich verarbeite das auf irgendeine Weise. Der eine geht zum Psychiater, der andere haut irgendeinem auf die Fresse und ich hab mir dieses kreative Ventil gesucht. Deswegen auch der Titel „Nothing To Undo“. Was geschehen ist, ist geschehen, das kannst du nicht rückgängig machen. Ich hab jetzt abgeschlossen damit und guck in die Zukunft.

Dann freuen wir uns auf die Zukunft und was METALIUM noch alles an besonderen Ideen bereit halten (auf dem aktuellen Album sind Ringtones enthalten), welche geilen Songs sie noch in einer metalmäßigen Aufmachung covern (siehe Review) und wann sie dann auf Tour kommen. Danke für das nette und informative Gespräch und bis bald.

 

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