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Wertung: 9,5 von 10

Bock auf richtigen geilen Retro Rock? Dann kommt man an der aktuellen Veröffentlichung der Schweden von KAMCHATKA (benannt nach der russischen Halbinsel) nicht vorbei. Es gibt nicht viele Bands die Blues-, Space-, Stoner und Hardrock so perfekt miteinander kombinieren, wie die 3 Jungs aus Varberg. Mit ihrem neuen Output „Bury Your Roots“ hat das Trio noch eine Schaufel draufgelegt und liefern ihr bisher bestes Album ab. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, da die Band nach den bärenstarken „I“ & „II“ ein bisschen schwächelte und mit dem schlicht „III“ betitelten Album zwar immer noch ein gutes Werk ablieferte, aber im direkten Vergleich einfach nicht an das tolle Songmaterial der Vorgänger heranreichte.

Nachdem die Schweden 2009, zum wiederholten Male, von ihrer Tour mit CLUTCH – die sollten echt mal überlegen, ob sie nicht heiraten wollen, sooft wie die schon auf gemeinsamer Tour waren – zurück kamen, haben sie sich hingesetzt und komponierten das neue Material für das aktuelle Album. Letztes Jahr enterten sie ihr eigenes Shrimpmonkey Studios und begannen mit den Aufnahmen zu „Bury Your Roots“. Da es sich bei den Jungs von KAMCHATKA um Gewohnheitstiere handelt, verzichteten sie auch dieses Mal nicht auf die Unterstützung von Per Wiberg (ex - OPETH), der sich auch diesmal um das Artwork des Covers kümmerte, welches wieder einmal als sehr gelungen zu bezeichnen ist.

Die Band besteht aus:
Thomas Juneor Andersson – Gitarre & Gesang
Roger Öjersson – Bass & Gesang
Tobias Strandvik – Schlagzeug

Viele Veränderungen gibt es im typischen Sound der Band nicht zu verzeichnen. Es wird weiterhin eine coole Mischung aus JIMI HENDRIX EXPERIENCE, SOUNDGARDEN, PINK FLYOD und MASTER OF REALITY geboten, nur ist das Material diesmal noch reifer, schlüssiger und grenzt fast an Perfektion. Auch die auf „III“ nicht mehr ganz so tragenden Blues Elemente sind wieder weiter in den Vordergrund gerutscht und sorgen dafür, dass „Bury Your Roots“ nahtlos, an den ersten beiden Alben, anschließt. Es wird wieder herrlich schön geschrammelt, gebluest, mal gespaced und frisch nach vorne gerockt. Wie schon auf dem Vorgänger teilen sich Andersson und Öjersson den Gesang.

Mit dem Opener „Perfect“ legen sie gleich einen solchen Start dahin. Der straighte Rocker macht mächtig viel Spaß und erinnert mich eine Kreuzung aus DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN. Besonders der immer wieder kehrende Gitarrenrhythmus setzt sich im Kopf fest. Auffällig ist die ungewöhnliche Spielart der Gitarre, welche ein absolutes Trademark im KAMCHATKA Sound ist und die Band von hunderten anderer Bands unterscheidet. Ich kann nicht beschreiben warum, aber der Song transportiert den Spirit von „Highway Star“ ins Jahr 2011 und ist ein ganz mächtiger Track! Es geht auch gleich mit einem amtlichen Hammer weiter. Der Funk Rocker „Hindsight“ verfügt über einen grandiosen Refrain, welcher nicht mehr aus dem Ohr zu bekommen ist. Die Gitarre schrammelt und Bass/Schlagzeug galoppieren regelrecht durch den Song. „TV Blues“ bietet kräftigen Blues Hardrock, der einige Verspieltheiten im Songverlauf offenbart. Die Nummer entwickelt sich nach mehrmaligem Hören zu einem der stärksten Tracks auf „Bury Your Roots“. Das darauffolgende „The Same“ ist ein sehr relaxter Blues Rock Track, bei dem der wummernde Bass hervorsticht. Der Song wird einfach nur super lässig und wahnsinnig geil vorgetragen. Ich bin total begeistert! „Demonbelly“ ist wieder ein wuchtiger Rocker bei dem der Gesang einfach nicht mehr zu toppen ist! Das charismatische Organ schmeichelt sich ins Trommelfell und der Refrain setzt sich sofort im Gehirn fest. Die Gitarre wirkt sanft und gebrechlich, auf der anderen Seite auch druckvoll und sounddominierend. Liest sich total gegensätzig, aber anders kann ich den phantastischen Tönen, die Andersson seinem Instrument entlockt, einfach nicht beschreiben. Einfach eine Über-Nummer! Mit „Before Things Get Rough“ wird es ein bisschen psychedelisch, intensiv und wahnsinnig abwechslungsreich. Ich habe noch nie eine Nummer gehört, die so vielseitige Emotionen beim Hörer hervorruft und sorgt dafür, dass ich beim Schreiben des Textes eine Gänsepelle bekomme. Langsam kann ich mich echt nicht mehr entscheiden, welcher, der bisherigen Songs, denn nun das absolute Highlight darstellt. „I've Got To Learn“ lässt Parallelen zu den reformierten SOUNDGARDEN zu und der fast schon hektische Mittelteil steht ganz im Gegensatz zum ruhigen Beginn der Nummer. Was dann folgt, ist kaum zu beschreiben. Die Gitarre schrammelt wieder, Schlagzeug und Bass galoppieren polternd durch den Song und irgendwie erinnert mich „Bury Your Roots“ an die göttlichen QOTSA. Toller Abschluss einer grandiosen Scheibe!

KAMCHATKA haben sich lautstark zurück gemeldet und überzeugen mich mit ihrem aktuellen Album auf ganzer Linie.

Wer auf die von mir genannten Stile bzw. Bands abfährt, muss unbedingt den nächsten Plattenladen stürmen und dem vierten Output dieser sensationellen Band eine Hörchance geben.

Momentan wird man definitiv keine bessere Release auf dem Musikmarkt finden, die diese Stilvielfalt enthält und dabei musikalisch noch so perfekt dargeboten wird. Hut ab vor dieser grandiosen Leistung!

Von mir gibt es staubtrockene 9,5 Punkte.

Götz

Kamchatka - Bury Your Roots - Cover

Info

Band: Kamchatka
Album: Bury Your Roots
Spielzeit: 51:26 min.
Plattenfirma: GMR
Veröffentlichung: 19.09.2011
Homepage: www.kamchatka.se

Tracklist

Perfect
Hindsight
TV Blues
The Same
Demonbelly
Good Night
Bye Bye Mind's
Eye Puppet
Before Things Get Rough
Worried
I've Got To Learn
Bury Your Roots

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