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Nachdem wir unlängst das wirklich superbe Debüt der Kanadier FRAZE GANG im Soundcheck hatten, war es an der Zeit, Sänger und Gitarrist GREG FRASER (Ex-BRIGHTON ROCK) einmal ein bisschen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu befragen, was sich dann auch als äusserst informativ herausstellte:

S.T.: Als erstes interessiert uns natürlich, wie FRAZE GANG entstanden ist. Erzähl doch mal!

G.F.: FRAZE GANG ist der Zusammenschluss aus drei Jungs, die einfach wieder die Musik machen wollten auf die sie stehen. Ich hatte eine handvoll Songs, die ich gerne von einer Band gespielt hören wollte. Bisher hatte ich die Songs nur mit einem Drum-Computer bei mir zu Hause aufgenommen und es hörte sich schrecklich an. Als Phil und Skreebs die Songs hörten, waren sie sofort dabei. Als wir dann genügend Material für eine CD zusammen hatten, nahmen wir diese in Eigenregie auf, boten sie auf unserer Homepage an und seitdem geht es wirklich nur bergauf.

S.T.: Ihr habt das Album selbst aufgenommen, ohne fremde Hilfe oder Unterstützung einer Plattenfirma. Ist Euch die absolute Freiheit lieber oder möchtet Ihr wieder das „Zuhause“ eines Labels geniessen?

G.F.: Wenn uns der richtige Deal über den Weg läuft, dann werden wir mit Sicherheit zuschlagen. Allerdings kann kein Gefühl das der absoluten Unabhängigkeit schlagen. Wir geniessen es schon, dass uns niemand sagt, tu dies oder jenes. Es ist ein cooles Gefühl, nicht darüber nachdenken zu müssen, ob das Label Deine Songs so akzeptiert, wie Du sie aufgenommen hast. Im Idealfall hätten wir gerne ein Label, das unseren Rücken stärkt und auf unsere Arbeit vertraut, einfach Leute, die dieselbe Musik lieben wie wir es tun. Im Endeffekt brauchst Du einen Plattenvertrag, um die nächste Stufe erreichen zu können.

S.T.: Euer Debüt klingt ziemlich old-school. Warum habt Ihr beschlossen, ein klassisches Rock-Album zu machen und nicht auf irgendeinen Trend-Zug aufzuspringen, der Euch vielleicht größeren Erfolg bringen könnte?

G.F.: Ehrlich gesagt ist es uns egal, ob wir angesagt sind oder nicht. In Nordamerika ist Rap, R&B oder Country sehr erfolgreich. Das sind die Musikrichtungen, mit denen man die großen Trophäen abräumen kann. Der sogenannte „Modern Rock“ ist irgendwie künstlich und ziemlich leblos, wie ich meine. Wir stehen alle auf das ganze alte Zeug, weil eis einfach mehr Charakter und Seele hat und wir hoffen, daß FRAZE GANG das alles ein bisschen rüberbringen kann.

S.T.: Kannst Du mir etwas über die Szene in Kanada erzählen?

G.F.: Die Live-Szene ist natürlich nicht mehr so groß wie in den 80ern aber dennoch ziemlich cool. Wir leben ca. eine Stunde von Toronto entfernt, der größten Stadt in Kanada. Gleichzeitig wohnen wir ziemlich nah an der Grenze zu den USA. Wir sind zwar der unterschiedlichsten Musik ausgesetzt, bekommen aber wiederum das Beste aus beiden Welten geboten, das ist alles unglaublich breit gefächert. Wenn ich an unsere Tourneen in der Vergangenheit zurückdenke, war Kanada schon immer wie ein Spiegel im Vergleich zu den USA, aber wir hatten unsere eigene Szene und auf diese waren wir immer stolz.

S.T.: Du hast auf Eurer Homepage schon einige Male über die Loyalität der deutschen Fans geschrieben. Denkst Du, dass die Chance besteht, FRAZE GANG demnächst live in Deutschland zu erleben? Welche Tourpläne habt Ihr denn schon geschmiedet?

G.F.: Wir haben einfach die meiste Nachfrage aus Deutschland erfahren. Seien es CD-Verkäufe oder auch E-Mails von Fans. Wir sind wiederum alle große Fans z.B. von den SCORPIONS und MICHAEL SCHENKER, wir möchten auf jeden Fall für all unsere Fans in Deutschland spielen, aber wir müssen abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Über eine Tour durch Kanada haben wir bereits gesprochen, wir sind auch schon mit verschiedenen Agenturen in Kontakt. Aber wir müssen auch abchecken, was für uns den meisten Sinn macht, denn Kanada ist so ein großes Land und es ist nicht gerade einfach, solch eine Tour in einem gewissen finanziellen Rahmen zu halten. Wir versuchen gerade, ein Paket mit kanadischen Bands zusammenzustellen, bei dem wir dann eventuell die Co-Headliner-Position übernehmen könnten. Das wäre mit Sicherheit eine coole Sache.

S.T.: Die 80er waren eine Dekade der Superlative. Es gab tonnenweise Geld für CD-Produtionen oder für eine Tour. Auch heutzutage ist die Musikindustrie immer noch groß und mächtig, gibt aber der Rockmusik kaum eine Chance. Meine Meinung ist, dass sich durch genügend Promotion jede beliebige Musikrichtung durchsetzen könnte. Wie stehst Du zu diesem Thema?

G.F.: Ich denke, dass Du im Grossen und Ganzen recht hast. Aber Du kannst mit Promotion keine Loyalität kaufen, und das ist das, was zählt. Wenn die Leute das Interesse an Dir verlieren, nützt alle Promotion der Welt nichts, das ist der Grund, warum es so viele One-Hit-Wonders gibt. Heute gehypt, morgen schon tot. Die Kids wollen sich heute nicht mehr vorschreiben lassen, was sie zu hören haben. Sie wollen selbst herausfinden, was ihnen gefällt, und darum wühlen viele im Untergrund und finden dort oft das, was ihnen gefällt. Ich denke, dass das der Trend ist.

S.T.: Denkst Du, dass die Rockmusik wieder zu einem ähnlichen Höhenflug ansetzen könnte wie in den 80ern?

G.F.: Ich bin der Meinung, dass das bereits passiert. Die Leute haben es satt, ständig daran erinnert zu werden, wie bescheiden ihr Leben manchmal ist und suchen nach sagen wir mal positiver Energie. Und das ist genau das, was die Musik in den 80ern ausmachte. Ich hoffe, dass FRAZE GANG auch einen kleinen Teil davon in die Gegenwart transportieren können.

S.T.: Wie Du weißt, haben wir uns über myspace kennengelernt. Welche Vor- oder Nachteile siehst Du in der digitalen Welt und den neuen Möglichkeiten, Eure Musik zu präsentieren?

G.F.: Ich denke, wenn Du das Internet ignorierst, bist Du verloren. Die Technologie ist eine schnellebige Sache, und wenn Du Dich nicht ein wenig damit beschäftigst, bist Du schnell hinten dran. Auch ich bin immer wieder überrascht von unbekannten Bands ohne Plattenvertrag, die das Licht der Welt ohne Internet nie erblickt hätten. Wir lieben es!

S.T.: Schwenken wir ein wenig zurück in die Vergangenheit: Bevor Ihr Euch BRIGHTON ROCK genannt habt, hieß die Band HEART ATTACK. Habt Ihr als HEART ATTACK jemals etwas veröffentlicht?

G.F.: Wir haben einen Song namens „Breakin Down The Barricade“ Anfang der 80er veröffentlicht. Es gab damals einen lokalen Radiosender, Q107, der regelmässig einen Talentwettbewerb veranstaltet hat. Tausende Bands haben sich daran beteiligt und ihre Songs eingeschickt, denn die Gewinner bekamen die Chance, ihren Song mit auf einen Sampler zu packen. Das war für damalige Verhältnisse ein Riesending. Wir hatten das Glück, dabei sein zu dürfen, das war auch sehr hilfreich, um einen Vertrag bei einem Major zu ergattern. Als wir unterschrieben hatten, mussten wir unseren Namen ändern, denn es gab schon eine Band, die sich HEART ATTACK nannte. So entstand BRIGHTON ROCK.

S.T.: Warum kam es eigentlich zum Split von BRIGHTON ROCK? Es lief doch alles wie geschmiert.

G.F.: Nun, wie bei so vielen Bands war die Grunge-Welle mit daran Schuld, dass vor allem die Plattenfirma das Interesse an uns verlor. Wir waren von der alten Garde und somit ausgemustert. Unsere Fans hielten zwar zu uns, aber das konnte die ganzen schlechten Vibes aber nur wenig bremsen. Es kam zu vielen personellen Veränderungen innerhalb der Plattenfirmen und die neuen Bosse wollten ihr Revier markieren indem sie mit allem völlig neu starten wollten. Somit blieb leider kein Platz für viele Bands, die in den 80ern unter Vertrag genommen wurden. Wir entschieden uns dann, eine Auszeit zu nehmen, die niemals geendet hat.

S.T.: Ihr habt aber als BRIGHTON ROCK von 2001-2002 einige Shows speziell auf Festivals gespielt. Unter anderem das Z-Rock Festival in Deutschland. Denkst Du, dass wir eines Tages wieder eine neue BRIGHTON ROCK-CD in unseren Händen halten können?

G.F.: Das möchte ich nicht ausschließen. Aber die Umstände müssen passen. Wir würden niemals ein Album veröffentlichen wollen, das zweitklassig ist. Wir würden damit unserem Ruf schaden und den Namen BRIGHTON ROCK schlecht machen. Wenn uns die Chance gegeben wird, ein Album mit einem vernünftigen Budget und unter vernünftigen Bedingungen aufzunehmen, würden bestimmt alle Jungs Gewehr bei Fuß stehen. Wenn es uns aber nicht so gelingen würde wie wir es uns vorstellen, gäbe es allerdings mit Sicherheit kein neues BRIGHTON ROCK-Album, denn wie gesagt möchten wir damit nichts kaputt machen.

S.T.: Gibt es denn Pläne, die alten BRIGHTON ROCK Sachen als Wiederveröffentlichung anzubieten? Vielleicht remastered und mit ein paar Bonus Tracks? Immerhin gibt es die Scheiben schon lange nicht mehr.

G.F.: Warner Kanada hat vor ein paar Jahren eine Greatest Hits Collection mit dem Namen „Essentials“ herausgebracht, die man glaube ich auch über www.brightonrock.ca beziehen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob es momentan Pläne gibt, die alten Scheiben als Re-Issue zu veröffentlichen. Aber es gäbe dann schon noch ein paar Songs, die es nicht auf die Alben geschafft haben und die für die Fans mit Sicherheit interessant wären.

S.T.: Du bist einige Zeit mit HELIX auf Tour gewesen. Wie kam es zu diesem Zusammenschluss der kanadischen Heroes?

G.F.: Nach dem Aus für BRIGHTON ROCK war ich ausgebrannt, suchte aber dennoch eine neue Herausforderung. Daryl Gray (Bassist Helix), den ich auf unserer gemeinsamen Tour kennengelernt hatte, fragte mich ob ich interessiert wäre, bei seiner Band SCURVY DOGZ einzusteigen. Lustigerweise saß Phil Epp (jetziger FRAZE GANG Schlagwerker) an den Drums, den ich dort das erste Mal traf. Ich hatte derzeit absolut nichts am Laufen und darum willigte ich ein. Als ich dann noch den vakanten Posten bei HELIX angeboten bekam, griff ich natürlich sofort zu. Ich tourte vier Jahre mit den Jungs und wir hatten ein wirklich gute Zeit, aber ich merkte dann, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss und so widmete ich mich wieder dem Schreiben von eigenen Songs.

S.T.: Was sind Eure Pläne nachdem jetzt das Debüt erschienen ist?

G.F.: Wir werden unser Debüt designmässig etwas überarbeiten, denn eigentlich dachten wir nicht daran, dass es so erfolgreich werden könnte. Wir machten uns keine grossen Gedanken über das Design, denn die CD war ja nur für einen kleinen Kreis bestimmt. Wir dachten, wir könnten damit eventuell einen Plattenvertrag bekommen und dann ein richtiges Debüt mit einem richtigen Budget aufnehmen. Ralph Alphonso von BONGO BEAT RECORDS wird unsere Scheibe dann auch weltweit vertreiben. Ralph meinte, lasst uns das Package einfach überarbeiten, denn die Leute lieben diese Scheibe. Also werden wir jetzt ein neues Cover kreiren und ein richtiges Booklet hinzufügen mit neuen Fotos usw.

S.T.: Welche Träume hast Du für die Zukunft?

G.F.: Eigentlich sind sie sehr bescheiden, ich möchte noch ein paar Einheiten von unserem Debüt verkaufen und dann eine zweite CD aufnehmen. Wir möchten auch sehr gerne auf Tour gehen und Euch richtig einheizen!

S.T.: OK, zum Schluss hast Du noch die Möglichkeit ein paar Worte an die deutschen Fans loszuwerden.

G.F.: Ich möchte mich nochmals bei allen unseren deutschen Freunden bedanken, die uns von Anfang an sehr loyal unterstützt haben und immer hinter uns stehen. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir können es kaum erwarten, zu Euch rüberzukommen und eine Riesenparty zu feiern. Bis es soweit ist, schaut einfach mal auf unserer Page www.frazegang.com vorbei, auf der ihr immer mit allen Neuigkeiten versorgt werdet.Ihr könnt auch bei www.myspace.com/frazegang vorbeisurfen, wo es alles andere aus der FRAZE GANG-Welt zu sehen gibt und ihr auch in ein paar Songs reinhören könnt. Zum Abschluss möchte ich noch sagen: „Live Long, Rock Hard And Pass The Puck!“   

Das hat GREG FRASER dann auch super auf den Punkt gebracht. Dem ist dann auch nichts mehr hinzuzufügen ausser dass ich mich riesig freuen würde, FRAZE GANG wirklich live on stage auf deutschen Boden erleben zu dürfen.

 

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