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Die Münchner Olympiahalle anzumieten, fand ich ganz ehrlich für ein sehr optimistisches Unterfangen, denn weder EUROPE noch die Headliner GOTTHARD sind zur Zeit bzw. waren jemals in der Lage, diese doch beachtliche Halle voll zu kriegen. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Nachdem ich also die Ehre hatte, ein Interview mit EUROPE-Sänger Joey Tempest zu führen, war der „entspannte“ Teil des Abends gekommen. Der Live-haftige Auftritt der Schweden vor ca. 7500 Fans. Und obwohl „nur“ ca. 6000 Menschen erwartet wurden, füllte sich die Halle beträchtlich, denn außer den beiden o.g. Bands gab es keine Vorband. So mussten EUROPE also praktisch den Anheizer geben und stiegen mit dem Titeltrack ihres aktuellen Abräumers „Last Look At Eden“ samt dazugehörigem Intro gleich ordentlich ein. Shouter Joey Tempest war von Anfang an der (erwartete) Aktivposten, er rannte kreuz und quer über die Bühne (und den Steg) und schwang dabei seinen Mikroständer wie eh und je. Der Rest der Band war eher ruhig und fast schon steif, irgendwie bewegte sich keiner der vier Musiker so recht vom Fleck. Nach dem geglückten Start gab es gleich noch eine Zugabe vom neuen Album, denn mit „Gonna Get Ready“ wurden die Fans abermals auf die neue Scheibe eingeschworen. Jetzt gab es aber erstmals einen Klassiker, „Superstitious“ unterbrach die Reihe von Songs aus der neuen Phase der Schweden.
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„Love Is Not The Enemy“ vom „Secret Society“-Album war als nächstes an der Reihe, bevor „Sign Of The Times“ vom 1988er Album „Out Of This World“ auch die alten Fans begeisterte. Die Stimmung war bereits jetzt richtig gut, das sollte sich bei der nächsten Nummer vom neuen Album („No Stone Unturned“) auch nicht ändern. Dieser Song ist definitiv für die Bühne gemacht, was auch die Band während der laufenden Tour feststellte, denn Joey machte klar, „No Stone Unturned“ ist auch für die Musiker die Überraschung dieser Konzertreise. Keine Überraschung dagegen war der nächste Track: „Carrie“ sorgte für Gänsehaut-Feeling und ich glaube, dass es vielen Anwesenden genauso ging wie mir. Joey´s Stimme war zwar merklich angeschlagen, aber schon beim Interview bemerkte ich, dass er sich mit einer Erkältung herumschlagen musste. Dass es auch auf dem aktuellen Album tolle Balladen gibt, bewies das anschließende „New Love In Town“, ein Song über den Sohnemann des Shouters. Danach wurde erneut die Partykeule ausgepackt, „Let The Good Times Roll“ verbreitete abermals gute Stimmung und schön langsam wurde es eng für die noch erwarteten Klassiker, denn EUROPE wurde nur eine Stunde Spielzeit zugestanden. Trotz der recht knapp bemessenen Zeit war aber sowohl Sound als auch Licht vom Feinsten und gar nicht typisch für eine „Vorband“ (ist nur Spaß). „Start From Dark“ läutete den Schlusspart ein, der mit „Seventh Sign“ (endlich ein Song von „Prisoners In Paradise“) und dem Megahit „Rock The Night“ abgerundet wurde.
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Danach gingen schon die Lichter aus und das Publikum stand irgendwie geschockt da. So schnell ist die Zeit auf einem Konzert selten vergangen. Aber zum Glück ließen sich die Schweden nicht lumpen und traten an zur Zugabe, die von „The Beast“ (abermals einem Stück der aktuellen Scheibe) eingeläutet wurde. Ein Blick auf die Uhr verriet sofort, was jetzt noch folgen musste: Kaum hatte man diesen Gedanken gefasst, ertönte auch schon diese Melodie, die auch heute noch um die ganze Welt geht und der Band einen Hit beschert hat, der mit Sicherheit nicht zu wiederholen ist. „The Final Countdown“ stellte den absoluten Höhepunkt dieses noch jungen Abends dar (EUROPE hatten ja bereits um 20 Uhr begonnen zu spielen), eine Killerversion, und selten habe ich gestandene Rocker mit Tränen in den Augen gesehen, als die letzten Töne verklungen waren. Sei es aus Erinnerung an frühere Zeiten oder einfach nur, weil man selten solch einen Welthit so genial dargeboten bekommt. Die Reaktionen waren eindeutig: EUROPE haben hier und heute eine wirklich tolle Vorstellung abgeliefert und ein rundes Programm aus alt und neu präsentiert. Von mir aus könnten die Jungs jetzt noch auf der Bühne stehen und „The Final Countdown“ spielen, es war echt genial.
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Nach einer ca. halbstündigen Umbaupause enterten die Schweizer Hardrocker GOTTHARD die Bühne. Da wir hier schon einen Livebericht online haben, möchte ich nur soviel sagen. Ich habe GOTTHARD nun schon viele Male gesehen, aber ich warte heute noch darauf, dass die Schweizer einen schlechten Tag erwischen und einen nur mittelmäßigen Gig abliefern. Sound, Licht, Songauswahl, Performance, alles ist wie immer perfekt. Das Einzige, was ich vielleicht auszusetzen habe ist, dass alles vielleicht etwas zu perfekt ist (und etwas insziniert rüberkommt) und, wenn man die Band schon einige Male gesehen hat, oft gleich wirkt. Das soll aber keine richtige Kritik sein, denn GOTTHARD zählen für mich zu den besten Live-Kapellen, die der Planet hergibt. Und auch an diesem Abend war für Abwechslung gesorgt, als eine Horde Dudelsackbläser die Bühne in Beschlag nahmen und ordentlich Stimmung verbreiteten. Auch das Drum-Duell zwischen Sänger Steve Lee und Schlagzeuger Hena Habegger war erneut einfach nur spitze. Unterm Strich wieder einmal eine top Leistung von einer Band, die beständig wie das viel zitierte Schweizer Uhrwerk immer am oberen Limit fährt.
Stefan
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