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„Das geht doch so nicht weiter, Trötti!“ besorgt stellt meine Freundin eine Tasse Kamillentee auf meinen Schreibtisch. „Du hörst schon seit Tagen nur die eine CD! Ist dir nicht gut, oder hast du Fieber?“ Hmmm, irgendwie hat sie da schon recht, denn ich höre momentan tatsächlich sehr oft eine ganz bestimmt CD bzw. ein Demotape. Schuld an meinem ungewöhnlichen Hörverhalten ist ein Underground Trio aus München und Umgebung. Soweit es meine eh schon begrenzte Freizeit zulässt, tauche ich ganz gerne in den deutschen Underground ab. Dazu nutze ich Communities wie zum Beispiel www.Jamendo.com. Vor gut 2 Wochen bin ich auf die besagte Combo gestoßen, welche auf den Namen CYRENCE hört. Das die Jungs Humor haben, beweisen sie mit der eigen Vergabe des Titels „german melodic-thrash pioneers“ und ihrer Musikstilbeschreibung „Post-Apocalyptic Thrash Metal“. Na, da machen die Jungs mal einen auf mächtig dicke Hose :-D. Natürlich sollte man das mit einem Augenzwinkern betrachten. Die Schlagwörter eignen sich aber perfekt zur Stilbeschreibung! Die Münchner spielen technisch sauberen und melodischen Power/ Thrash Metal, der mich sehr oft an meine alten Bay Area Helden erinnert.
Bisher ist das Jahr 2011 nicht optimal für den ehemaligen Vierer verlaufen. Erst wollte man Anfang des Jahres eine EP mit 7 oder 8 Tracks aufnehmen, dabei sollte das Material von „Endtime Stories“ verwendet werden, doch irgendwie kam das Vorhaben zum Stocken. Im Juli oder August verließen der Schlagzeuger und auch der Bassist die Band, um sich auf ihre anderen Projekte zu konzentrieren.
Momentan besteht die Band aus: Tim Grathwohl - Vocals, Rhythm Guitars Dominic Millett - Lead Guitars und Neuzugang Lukke - Bass Die Band sucht noch nach einen fähigen und geeigneten Schlagzeuger.
Da also neues Material noch auf sich warten lässt, hat sich die Band entschieden, das 2008 erschienene Demo „Endtime Stories“, dem Publikum, mit einem verbesserten Sound, noch einmal um die Ohren zu schmettern. Leider fehlt mir die Information, in welcher Formation das Material eingespielt wurde. Alle Songs des Tapes befassen sich mit dem Thema einer nuklearen Katastrophe und der überlebenden Hauptfigur, der 20 jährigen Jesse.
Wie weiter oben schon angedeutet, haben sich die Jungs dem Power/Thrash Metal verschrieben und sorgen mit diesem kraftvollen Mix dafür, dass meine Nackenmuskulatur, bei allen vier Tracks, schön in Bewegung bleibt. Ihre Vorbilder sind ganz klar old TESTAMENT, old METALLICA und MEGADETH und das hört man „Endtime Stories“ auch an. Die Combo geht musikalisch kompetent zu Werke und hinterlässt bei mir schon einmal einen ersten positiven Eindruck. Man hört den Jungs an, dass sie während der Aufnahmen eine Menge Spaß gehabt haben müssen, denn das Tape klingt einfach unverbraucht, spontan und frisch. Es werden messerscharfe Riffs, ein treibendes Schlagzeug und ein herrlich wummernder Bass geboten, die den Songs die nötige Härte verleihen. Besonders die melodische Leadgitarre hat es mir angetan und sorgt für die nötige Abwechslung im Material. Timmey verfügt über eine charismatische und raue Stimme und passt wie die Faust auf's Auge.
Beim Songwriting hat die Formation darauf geachtet, ihr Material möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Die Songs werden immer wieder durch Midtempo- bzw. langsamen Passagen aufgelockert und laufen dadurch nicht die Gefahr, zu schnell im Gehörgang zu verschleißen. Trotzdem müssen sich CYRENCE einen Kritikpunkt gefallen lassen. Sie klammern beim Songwriting zu sehr an ihre Vorbilder und so mancher Song erinnert mich einen Tacken zu sehr an diese. Die Band ist noch jung und wird mit Sicherheit im Laufe der Zeit noch einiges an Erfahrung sammeln können, darum sollte man dies nicht zu eng nehmen.
Ein weiterer sehr positiver Eindruck hinterlässt die Aufnahmequalität, die es mit mancher Produktion einer „professionell“ agierenden Band locker aufnehmen kann. Schön klar und druckvoll kommen die Tracks aus den Boxen.
„Endtime Stories“ startet mit einem kurzen Intro und geht gleich mit „The Nuke“ in die Vollen. Ganz im Stile von TESTAMENT und METALLICA werden immer wieder Up- mit Midtempo Passagen kombiniert und geht mächtig auf die Nackenmuskeln. Der folgende Song „Jesse Survived“ hat sich bei mir zu einem kleinen Ohrwurm entwickelt. Der Anfang erinnert mich ein wenig an ANTHRAX bzw. METALLICA und überzeugt mich auf ganzer Linie aufgrund des abwechslungsreichen Songverlaufes. Besonders die Gesangsleistung von Timmey und die tolle, melodische Leadgitarre gefällt mir sehr gut. „Ethic's Lost“ stellt für mich die stärkste Leistung der Band dar. Die Jungs schaffen es , sich ein bisschen von den Vorbildern zu lösen und brettern sich souverän durch den Track. Leider sagt mir „Death“ weniger zu. Es wird zwar schön auf die Tube getreten, aber mir fehlen ein bisschen die Ideen beim Songwriting bzw. Songverlaufes. Auch der Gesang gefällt mir bei dieser Nummer nicht ganz so gut, denn Timmey schreit mehr als das er singt. Nach den vier Tracks ist dann auch erst einmal Schluss und „Endtime Stories“ hinterlässt bei mir das Verlangen nach mehr.
Wer sich gerne die von mir weiter oben aufgeführten Bands reinschädelt und grundsätzlich den guten old school Thrash als das NONPLUSULTRA ansieht, liegt mit dem Demotape genau richtig und wird mit Sicherheit nicht enttäuscht.
Tut euch einfach den Gefallen und downloaded das kostenlose Demo auf Jamendo.com. Die Band hat Potential und gehört unterstützt. Donwloadlink: www.jamendo.com/de/album/96844?refuid=1041897
Natürlich ist die Band bei weitem noch nicht so professionell, wie die von mir genannten Gruppen und es gibt hier und da noch Punkte, an denen gefeilt werden muss. Insgesamt hinterlassen CYRENCE einen wirklichen tollen Eindruck bei mir!
Für diese grundsolide Leistung gibt es 8 Punkte von mir.
Götz
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