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CROSSFADE - We all bleed - Cover
Schwein schwarz copy klein

Rockt Wie Sau!

Band: Crossfade
Album: We All Bleed
Spielzeit: 49:06 min.
Plattenfirma: Seven Eleven
Veröffentlichung: 22.07.2011
Homepage: www.crossfadeband.com
WERTUNG: 10 von 10

Irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen … durch einen Zufall bin ich an die Besprechung des dritten Albums „We All Bleed“ der Alternative Rocker CROSSFADE gekommen und bin auch nach dem drölfzigsten Hördurchgang einfach nur baff! So ein Album hätte ich vom ehemaligen Millionenseller, für das gleichnamige Debüt erhielten sie Platin, beim besten Willen nicht erwartet. In der Vergangenheit waren mir CROSSFADE als eine gute Alternative Rock Band bekannt, die sich aber nicht sonderlich vom Groß der Konkurrenz unterschied. Ihnen gelang mit dem Song „Cold“ ein beachtlicher Hit, aber das war es auch schon. Der Nachfolger „Falling Away“ floppte in den Augen der Plattenfirma, verkauft wurden immerhin ca. 65.000 Einheiten, und daraufhin verloren sie ihren Major Deal mit Columbia. Daraus resultierend fiel die Band in ein tiefes Loch. Besonders der Bandleader Sloan hatte große Schwierigkeiten mit der neuen Situation fertig zu werden und verfiel in eine schwere Drogensucht und Depression. Nachdem er sich erfolgreich von den Drogen losgesagt und auch die Erkrankung schadlos überstanden hatte, machte sich die Band daran neues Material zu schreiben. Und ich bin heilfroh, dass sich Sloan und der Rest der Band wieder zusammengerafft hat, denn „We All Bleed“ ist ihr bestes, düsterste und emotionalste Album geworden.

Die Band hat sich wieder in der gleichen Besetzung zusammengefunden, in der sie auch die beiden Vorgängeralben eingespielt hatte.
Das Quartett besteht aus:
Ed Sloan - Gesang & Gitarre
Les Hall - Gitarre & Keyboard
Mitch James - Bass Mark Castillo - Schlagzeug

Zwischen dem Zweitling „Falling Away“ und ihrem aktuellen Silbereisen liegen geschlagene 5 Jahre und diese lange Zeit haben CROSSFADE, nachdem sie ihre inneren Dämonen besiegt haben, sehr gut genutzt. Der Vierer steht heute auch anderen Musikstilen offener gegenüber und zeigt sich im Umgang mit diesen, von der experimentellen Seite. Ihr wenig aufregende, aber stets sehr solide vorgetragene, Alternative Rock wurde um Industrial und Crossover Elemente erweitert und klingt dadurch um einiges abwechslungsreicher. Den Musikern ist es mit Bravour gelungen, diese Genre so geschickt miteinander zu verbinden, dem ganzen den typischen CROSSFADE Anstrich zu verpassen, noch etwas an Härte zu zulegen und dabei eine an Intensität und Schönheit nicht mehr zu überbietende CD zu produzieren. Für mich schaffen die Herren einen eigenen, jederzeit wiedererkennbaren Sound, dem ich die Bezeichnung „Modern Grunge“ verleihe. Sloan's Gesang ist einer der tragenden Pfeiler ihrer Musik und er macht einen gewaltig geilen Job. Der junge Mann singt mit so vielen Emotionen und klingt dabei manchmal so verzweifelt und zerbrechlich. Wenn er vor mir stehen und singen würde, ich würde ihn mit nach Hause nehmen und ihm erst einmal einen Teller Suppe spendieren, denn er löst bei mir Mitleid, Verständnis etc. mit seinem Gesang aus. Er hat es einfach drauf den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Als besonders fleißig entpuppt sich auch Mark Castillo, der sein Schlagzeug äußerst abwechslungsreich und präzise bearbeitet. Hört Euch einfach mal das völlig grandiose Drumming und die Percussion beim Opener „Dead Memories“ an. Mark schafft es sogar Sloan die Show zu stehlen und zieht alle Lauschlappen in Richtung seiner erstklassigen Leistung!

Obwohl „We All Bleed“ 10 von 10 Volltreffern enthält, gibt es einige Songs, die sich jetzt schon das Prädikat Bandklassiker verdient haben.

Mit dem Opener „Dead Memories“ zeigen sich CROSSFADE von ihrer neuen, düsteren und moderneren Seite. Der Song ist eine recht heavy und mit tollen Gitarrenriffs versehene Nummer. Wie oben schon geschrieben, ist Castillo's Drumming einfach sensationell ausgefallen. Für mich ist der Song eine Mischung aus New Metal und ALICE IN CHAINS. „Killing Me Inside“ ist ein geiler Grunge Song, der über einen hervorragenden Gesang und einem super Refrain verfügt. Die Nummer schleicht sich in den Gehörgang und frisst sich fest. Sloan agiert sehr variabel und setzt auch moderne Technik ein, um seinen Gesang die jeweilige Wirkung zu verleihen. Für mich ist der Track ganz klar das Highlight auf dem Album und hätte auch auf beliebigem SOUNDGARDEN Album stehen können. Einen weiteren positiven Eindruck hinterlassen sie mit dem dritten Track „Prove You Wrong“, der dem Hörer eine Mischung aus Elektronic (Depeche Mode) und Industrial (NINE INCH NAILS) serviert. Die mit sehr viel Power vorgetragene Halbballade „Lay Me Down“ hat mich voll getroffen und zwar genau im Zentrum meiner Geschmacksnerven. Der Song ist schön düster und depressiv gehalten, wobei das Keyboard diese Grundstimmung deutlich unterstreicht. Schon fast wie bei einem John Sinclair Hörspiel, wabert das Instrument im Hintergrund und verleiht dem Track etwas morbides.

Es ist wirklich reiner Zufall, dass ich ausgerechnet die ersten 4 Songs genommen habe, aber ich bin der Meinung, dass sie halt die Vielschichtigkeit und Bandbreite, mit welcher CROSSFADE agieren, am deutlichsten aufzeigen. „We All Bleed“ ist wohl eine der intensivsten Alternative Rock Scheiben, welche ich seit langem gehört habe und hat mein Herz auf Anhieb erobert. Wer sich gerne ALICE IN CHAINS, CREED und manchmal auch NIN gibt, wird hier bestens bedient.

Neben dem Debütalbum der ZOMBIE SHAKER BOX haben CROSSFADE für mich ein absolutes Highlight in der Sparte “Modernes Rockalbum“ abgeliefert. Ich freue mich total für Sloan und Kollegen, dass sie sich wieder (besonders der Sänger) besonnen haben und ihnen ein so grandioses Comeback gelungen ist. Das Album wird mit Sicherheit in meiner persönlichen Jahres Top Ten Rangliste auftauchen und hat sich die 10 Punkte wirklich verdient!

Trackliste:
1. Dead Memories
2. Killing Me Inside
3. Prove You Wrong
4. Lay Me Down
5. Dear Cocaine
6. Suffocate
7. I Think You Should Know
8. We All Bleed
9. Open Up Your Eyes
10. Make Me A Believer

Götz

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