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Wertung: 9,5 von 10

„Mit die beste Platte, an der ich jemals beteiligt war“. Solche Sätze nimmt man ja mittlerweile nicht mehr ganz für voll und hört man zu oft. Wenn man dann das beworbene Produkt hört, stellt sich dann meist heraus, dass es sich um das übliche Promogelaber handelt, welches die Herren Musiker zu gerne von sich geben. Sagt Sammy Hagar aber sowas, sollte man dennoch aufhorchen, denn zum einen ist er eine mehr als ehrliche Haut und zum anderen hat er es sich nötig, mit Phrasendrescherei ein paar Extra-Scheiben zu verkaufen, ist er doch spätestens seit seinem Campari-Tequila-Deal in Höhe von 80 Mio. $ aus dem Gröbsten raus und sollte sich jeweils eine warme Mahlzeit pro Tag leisten können. Den anderen Mitstreitern dürfte es ebenso gehen, handelt es sich doch um allesamt „gestandene“ Musiker und Millionäre, die letztlich nur noch aus Spaß an der Freud Musik machen. Die erste Hühnerfuß-Scheibe war ein Überraschungserfolg und brachte der Truppe verdientermaßen eine Goldene in den USA ein und auch im Rest der Welt kam die sympathische Truppe sehr gut an. Mittlerweile durchs Touren aufeinander eingespielt geht es in die zweite Runde, im typischen CF-Humor mit „III“ betitelt, denn man hat nach eigenen Aussagen einen derart gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, dass man die zweite Platte einfach übersprang – lustig! War die Debutscheibe letztlich eine lange andauernde Jam-Session sind die Songs der neuen CD doch um einiges strukturierter, was man nun positiv oder negativ sehen kann. Um ehrlich zu sein. mir gefallen CF nun noch besser. Locker-flockig geht’s mit „Last Temptation“ in die erste Runde, Satrianis Licks sind irgendwie überall. Was kann der Mann spielen – einmalig. Die „Alrights“ aus gleichnamigen zweiten Song kriegt man schon bald nicht mehr aus dem Kopf, in etwa vergleichbar mit „Oh Yeah“ vom Debut. Klasse! Mit „Different Devil“ hat man diesmal sogar einen amtlichen Hit im Gepäck, der an frühere Sammy-Hagar bzw. Van-Hagar-Werke erinnert. Mit ein bisschen Glück dürfte man da bei den amerikanischen Radiostationen mächtig punkten. Der Song ist auch die derzeitige Singleauskopplung. „Up Next“ ist zwar ein Song mit CF-typischer optimistischer Grundausrichtung, hat jedoch einen ernsten Hintergrund: Während der Aufnahmen verstarb Sammys und CF’s Manager plötzlich an Krebs und die Jungs machten sich daran, einen Song darüber zu schreiben, wie man an der Himmelspforte ankommt, im Falle Sammy Hagars mit Shirt und Flip-Flops. Auch hier wieder ein Riff von Satch, das seinesgleichen sucht. Er zieht auf „III“ wirklich alle Register. „Lighten Up“ ist ein bluesiger Groover, der ebenfalls gute Laune macht. Was Chickenfoot absolut top drauf haben ist, Balladen zu schreiben, die dermaßen kitschfrei sind, dass sie wirklich einmalig sind. In vorliegendem Fall ist „Come Closer“ der ruhigste Song der  Scheibe. Sammy Hagar, mittlerweile 64 Jahre alt, singt hier wie ein junger Gott. Tequila scheint also gut zu konservieren. „Three And A Half Letters“ ist der ungewöhnlichste Track der Platte, Sammy liest einige Briefe vor, die ihm Leute geschrieben haben, die keinen Job haben und schreit dann mit „I need A Job“ den Chorus heraus, bis er heiser ist. Gewöhnungsbedürftig aber faszinierend. „Big Foot“ war die Leadsingle von „III“ (inklusive lustigem Video) und der Song groovt ohne Ende. Wer da nicht mindestens mit dem Fuß im Rhythmus mitwippt ist klinisch tot. Ebenfalls auffallend im Vergleich zum Debut ist, dass die Backing-Vocals von Michael Anthony um einiges mehr betont wurden. Wer ihn von den alten Van Halen Platten kennt, weiß, dass er einen Großteil des Sounds ausmachte und das ist auch bei den Hühnerfüssen der Fall. „Dubai Blues“ ist für mich der einzige durchschnittliche Track, zwar nicht grade schlecht aber er rauscht eher an einem vorbei. „Something Going Wrong“ lässt „III“ dann atmosphärisch ruhig ausklingen und man meint Jimi Hendrix zu lauschen, Satriani läßt da spürbar dessen Geist wiederaufleben. Als Itunes-Bonustrack gibt’s noch „No Change“, der seinen Zweck als Bonustrack auch erfüllt, kein Höhepunkt aber eine nette Zugabe. Sehr geil gemacht ist auch das Cover mit jeder Menge 3D-Fotos und versteckten Botschaften. Leider gibt es auch, wie beim Debut, die Unsitte, dass man sich das Booklet nur als PDF-Datei auf den PC herunterladen kann. Dort sind dann noch mehr 3D-Fotos enthalten aber leider keine Texte. Sehr schade, sind sie es doch allemal wert, abgedruckt zu werden. Empfehlenswert sind auch noch die "Special Editions" mit Bonus-DVD über die Aufnahmen der Scheibe oder als Box-Set zusammen mit TShirt mit dem Debut (ebenfalls mit Bonus DVD). Sofern noch vorhanden sollte man auch noch nach der "Classic Rock-Edition" aus UK schauen inklusive Guitar Picks sowie 2 Live Bonustracks.
Alles in allem gefällt mir „III“ besser als das Debut. Die Songs sind geradliniger und kommen eher auf den Punkt. In ein paar Jahren wird man die Scheibe wohl als Klassiker einstufen. Ich mache das bereits jetzt und kann nur jedem empfehlen, sich die Jungs mal live zu geben. Ein noch größerer Spaß wie auf Konserve und jeden Euro wert.

Martin W.

Chickenfoot

Info

Band: Chickenfoot
Album: III
Spielzeit: 45:17 min.
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 23.09.2011
Homepage: www.chickenfoot.us

Tracklist

1. Last Temptation
2. Alright Alright
3. Different Devil
4. Up Next
5. Lighten Up
6. Come Closer
7. Three And A Half Letters
8. Big Foot
9. Dubai Blues
10.Something Going Wrong

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