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Band: Central Park Album: reflected Spielzeit: 61 Minuten Plattenfirma/Vertrieb: Rockville Music / Soulfood Music Veröffentlichung: 28.01.2011 Homepage: www.centralpark-band.de Wertung: 7 von 10 Überraschung! Nicht nur, dass die Band unlängst nach 23 Jahren Bandgeschichte ihr unerwartetes (“unexpected”) Debüt-Album in Originalformation veröffentlichte, nein, sie legt gefühlte zwei Tage später (ok, vier Jahre) den Nachfolger “reflected” nach und das auch noch in veränderter Besetzung. Sänger Heiko Moeckel hat sich zum zweiten Mal verabschiedet, gefolgt von Jannine Pusch, die den durchschnittlichen Melodiebereich mal eben um eine halbe Oktave nach oben puscht. Und dies mit Ausdruck und respektablem Hand (Stimmband-) werk. Mit Sicherheit inspiriert u.A. von Kate Bush, Lisa Dalbello...., aber immer eigenständig und auch mit einer englischen Aussprache, von der sich manch Skorpion eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Sie ist laut eigenen Aussagen eher eine Freundin der härteren Töne, was für Mastermind/Keyboarder/Hauptkomponist Jochen Scheffter Inspiration und Herausforderung zugleich war. Letzterer scheint sich nun doch vom elektromagnetischen Dogma “No Synthesizers!” verabschiedet zu haben und lässt nun doch auch mal ein paar Synths und Orchestersamples aus den Tasten. Wobei, schwerpunktmäßig kreischt die Hammond und arpeggiiert der Flügel.
Nach dem fulminanten Opener “gunsRus”, der sich textlich mit Kindersoldatentum beschäftigt, dessen harter musikalischer Kern vorne und hinten von Orchestersounds ummantelt ist, werden wir in das melodiöse, aber partiell nicht minder schwere “Free Fall” hinübergedoomt, dessen schöne Gitarrenhook im Refrain die Gesangslinie elegant umspielt. Spätestens hier wird klar, was sich geändert hat: Die Münchner integrieren auf unaufdringlich moderne Weise jetzt auch mal pfiffige Loops in ihre handgespielten Arrangements. Auch ein paar Songtempi jenseits der 120 bpm sind als erfrischende Entwicklung zu verbuchen, was künftigen Konzerten etwas mehr Pfeffer verleihen könnte.
Eine hypnotische Bassfigur leitet “White Princess” ein, in dessen luftigem Arrangement mit latentem U2-Approach Jannine Pusch ordentlich auf die Bush haut. Vergleiche bergen ja immer den Vorwurf des Epigonenhaften in sich, aber der lesenden Gemeinde sei versichert, dass es sich hier nur um Versinnbildlichungen handelt. Ein herzhaftes Orgelsolo sorgt für belebende Abwechslung im Mittelteil. Perlendes Klavier und lyrischer Gesang eröffnen “Another Part”, das in guter alter Prog-Rock-Manier ab dem ersten Drittel durch sämtliche Tempi, Zählzeiten und Tonarten flitzt und in Hans Ochs`leidenschaftlichem Gitarrensolo gipfelt. Ex-Sänger Heiko Moeckel hat hier noch als Co-Autor sein Scherflein beigetragen.
Der Dreispänner “Visions Of Cassandra” hingegen wirkt nun etwas bemüht: Ein langes Intro mit endlosen Sprachphrasenwiederholungen, das an die letzte gekaufte Hörspielkassette erinnert, nur dass der Stoff hier nur bedingt der richtige Soundtrack für eine beherzte Autofahrt Richtung Süden ist. Dies Magnum Opus über die verkannte griechische Wahrsagerin will auch in Teil zwei und drei nicht recht in die Gänge kommen, weshalb wir an dieser Stelle mit geduldig niedergeschlagenen Augenlidern allmählich zum Outro des Albums kommen: “Path of Mercy”, wieder mit schönen Bassläufen von York von Wittern, nimmt mit seiner kontrapunktischen Instrumentierung den verlorenen Faden wieder auf, auch wenn man nicht ganz an die Stringenz der ersten vier Songs anknüpfen kann.
“The Last Tear”, eine schwerpunktmäßig mollige Piano-Ballade von textlich traurigem Inhalt (wie der Titel prognostiziert) wäre vielleicht auch nicht der geeignete akustische Abschluss für ein Motivationsseminar im Wellnesshotel, aber für Menschen, die sich gerne im Winter mit einer Tasse Tee unter einer Kuscheldecke sentimentalen Gedanken hingeben, sicherlich die richtige Wahl.
Was bleibt, ist ein ambivalenter Eindruck: Fulminante erste Hälfte, die dann in der Mitte etwas ausgebremst wird. Vielleicht hätte ein unabhängiger Chefdramaturg noch mal drüber sehen sollen. Produktionsseitig bleibt zu sagen, dass mir Arthur Silbers’ muskulöses Schlagzeugspiel ein wenig zu sehr in den Hintergrund gemischt ist. Nichtsdestotrotz: allein die ersten vier Songs wären neun Punkte wert und man darf sich auf die weitere Entwicklung der Band freuen.
Thomas
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