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At Vance Top1

Manchmal läuft es nicht so, wie es sein sollte. Genau dieser Spruch passt perfekt auf dieses AT VANCE Interview. Eigentlich hätte es schon vor Wochen hier erscheinen sollen, aber zuerst fängt das Diktiergerät an zu spinnen und ich konnte kaum noch verstehen, worüber Olaf Lenk (AT VANCE) und meine Wenigkeit sich unterhalten haben. Völlig genervt hab ich das Teil schließlich bei Seite gelegt. Anschließend kommt der große Umzug, der mit Kind und Kegel etwas in die Hose geht und dazu führt, dass wir praktisch keine Zeit mehr haben, um das Webzine weiter zu führen. Ich denke, das werdet ihr auch gemerkt haben. Als ich nun das Diktiergerät endlich in dem Umzugskartonschaos wieder entdeckt habe, ist die Batterie leer und kein Ersatz in Sicht (jedenfalls nicht an einem Sonntag). Also dauerte es noch 2 Tage bis ich endlich dazu komme, um Olafs und meine Worte endlich zu Papier zu bringen.

M.R.: Aber nun ist es soweit und ich denke es ist allerhöchste Zeit uns über VII zu unterhalten. Im Gegensatz zu den früheren Werken befindet sich leider kein klassisches Stück auf dem aktuellen Album.

O.L.: Wir haben diesmal als Bonustrack für Japan ein klassiches Stück gemacht (welches ist leider auf dem Diktiergerät absolut nicht mehr heraus zu hören).

M.R.: Na dann wechseln wir gleich mal zur Personalpolitik. Gerade im Zuge der BRAINSTORM Tour und den Vorkommnissen mit Mats Leven und Mark Cross wollte ich mal deine Sicht der Dinge wissen.

O.L.: Also die Gesamtsituation auf der Tour, wie z.B. die Bandkonstellation, hat halt nicht gepasst. Von Mats hätte ich mir mehr Rückendeckung erwartet, der Basser war doch recht farblos und der Mark hat einfach sein Ding durchgezogen. Da hatte ich erst mal den Kanal voll gehabt.

M.R.: Hast du danach auch mal ans Aufhören gedacht?

O.L.: Also wenn ich Rick nicht kennen gelernt hätte, der so nett und normal ist, wie ich auch, hätte ich nicht weiter gemacht. Wir verstehen uns auch privat sehr gut mit der Familie und so und daher ist es viel schöner zusammen zu arbeiten.

M.R.: Wie bist du denn auf Rick gestoßen?

O.L.:Er wollte ein Soloalbum machen und hat es mir zugeschickt und ich habe ihn dann gefragt, ob er nicht Lust hätte AT VANCE-technisch was zu machen und davon war er voll begeistert. Er hätte nicht gedacht, dass ich ihn fragen würde. Folge: Wir haben es gemacht. Seine Stimme liegt irgendwie zwischen dem Mats und dem Olli (Oliver Hartmann, Ex-At Vance, jetzt solo unterwegs) und das ist eine gute Mischung. Sicher, sängermäßig kann ich nichts schlechtes über Mats sagen. Er ist ein geiler Sänger, geiler Frontmann, kein Problem. Aber von der persönlichen Schiene ist es doch ein wenig schwieriger. Diese diplomatischen Schachzüge, die man da unterwegs machen muss, das ist mir einfach zu doof. Weißt du, ich habe drei Kinder, alles normal also, da habe ich für Pillepalle Kram echt keine Lust.

M.R.: Hat sich Rick bei den neuen Songs schon mit einbringen können?

O.L.: Er hat die Hälfte von allen Texten mitgeschrieben. Es war sehr angenehm. Ein Lied haben wir zusammen gemacht. Ich kann ihm einfach die Sachen geben und weiß, dass es weiterverarbeitet wird, er z.B. die zweite Strophe macht oder am Refrain arbeitet. Das war eine sehr relaxte Atmosphäre dann auch beim Aufnehmen. Produziert habe ich selber im eigenen Studio. Gemastered wurde im Finnvox. Die machen echt einen guten Job. Der Ablauf war wirklich reibungslos. Wenn das so weiter geht, steht den nächsten Scheiben nichts im Wege.

M.R.: Bevor es zu zukünftigen Scheiben geht, möchte ich mich aber noch kurz über das aktuelle Werk mit dir unterhalten. Wenn man sich einen Song wie „Truth“ anhört, kommt bei mir der Verdacht vor, er spiegelt den Seelenzustand eines Olaf Lenk in der damaligen schwierigen Phase wider. Man meint fast die Wut körperlich spüren zu können.

O.L.: Ja von der Power her spiegelt es das schon wieder. Es war halt auch eine Art Befreiung. Wobei, das Ganze ist natürlich nur meine Sicht der Dinge. Die restlichen damals involvierten Leute sehen das vielleicht anders. Ich kann eben nur für mich sprechen. Es ist auch eine lange Geschichte und ich bin froh, dass es vorbei ist.

M.R.: Die Qualität der Songs steht in meinen Augen für eine Art Neuanfang bei AT VANCE. Wie zufrieden bist du mit den Songs?

O.L.: Also ich hab die Scheibe noch immer in meinem CD Player und höre sie mir an. Das ist doch ein gutes Zeichen. Schließlich bin ich doch noch viel mehr in die Sache eingespannt und wenn man dann nach all der Zeit die Scheibe zum 1000. Mal hört und du bekommst nicht das Gefühl, sie ganz schnell rausschmeißen zu müssen, dann denke ich, hat man was richtig gemacht.

Irgendwie haben wir dann auch was richtig gemacht, denn anschließend begannen Olaf und ich ein wenig abzuschweifen und kamen über einen Umweg über Kinder und Familie wieder zurück auf die dadurch verbundene neue Arbeitsweise bei AT VANCE.

O.L.: Man muss die Sachen jetzt wesentlich konzentrierter angehen, weil man weiß, dass man nicht so viel Zeit dafür hat. Auf der anderen Seite kann es passieren, dass man gerade hochkonzentriert arbeitet und an einer schweren Stelle ist, dann platzt der Sohn rein und ruft 1:1 gewonnen!! Dann schickt man ihn natürlich raus und sagt, man muss gerade weiter machen. Kinder sind da natürlich spontan. Das hält aber auch einen selber jung. Man denkt dann nicht: Das geht jetzt bitte nicht, nicht hier reinkommen. Da geht halt die Tür auf und es heißt die hat mich gehauen und so. Manchmal geht es nicht, dass man die Spur noch fertig aufnimmt, sondern ok, abgebrochen. Aber das ist kein Problem.

M.R.: Probleme haben momentan eher viele kleine Bands, da sie von ihren Plattenfirmen gecancelt werden. Da ich weiß, dass du auch immer eine klare Meinung zur aktuellen Situation im Business hast, würde ich die gerne hören.

O.L.: Ja, es wird langsam auch Zeit, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Ganz ehrlich. Es war früher auch nicht so leicht einen Plattenvertrag zu bekommen. Heute kann fast jede Krachband eine CD aufnehmen. Du kannst teilweise gar nicht mehr unterscheiden, ob das was angeliefert wird, was geiles oder nicht geiles ist. Da ist schon viel extremer Müll dabei, muss man schon sagen. Deswegen finde ich das auch nicht soo schlimm. Für die Firmen ist es auch besser, denn man kann sich wieder mehr um die einzelnen Bands kümmern.

M.R.: Und was sagst du zum Thema (legale und kostenpflichtige) Downloads und Chancen bzw. Risiken des Internets? Gerade jetzt wo viele Künstler dazu übergehen, Singles nur als Download zu veröffentlichen?

O.L.: Das ist nicht schlecht. Es wird über kurz oder lang sowieso nur noch über das Web funktionieren. Ich finde es aber auch ein bisschen schade, weil dann die Hardware, die reine CD also, verloren geht, aber das wird so sein. Der Konsument macht sich dann mit dem Drucker das Booklet selber. Das ist die Entwicklung der Zeit. Denk an die LP. Das war schon geil, wenn das eine Doppel LP war, die du aufklappen konntest. Aber fährst du heute auch noch immer mit dem Fahrrad durch die Stadt? Machen wir ja auch nicht. Und Chancen sehe ich im Internet einige. Zum Beispiel die Art und Weise wie du dich selbst präsentieren kannst, so z.B. Seiten wie myspace oder youtube, finde ich voll in Ordnung. Aber auch dabei kommt es letztendlich auf die Qualität an und deswegen muss ich nochmal kurz zurück auf deine Eingangsfrage. Nicht, dass die Leute denken, Mensch bei AT VANCE da gehen die Musiker ständig aus und ein und alles ist anders. Es gibt wie gesagt immer zwei Seiten und ich denke das wirklich wichtige ist, was unterm Strich dabei raus kommt. Und AT VANCE wird immer AT VANCE bleiben.

Dem bleibt eigentlich kaum noch was hinzuzufügen. Denn auch mit VII zeigt Olaf mit seinen Mitstreitern, dass sie definitiv zu den Kings des deutschen Metals gehören. Und das wird hoffentlich noch lange so bleiben, egal wer noch mit an Bord ist. Basta.

 

At Vance Bild
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