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"Trötti, schalte die Alt-Herren-Musik endlich aus, oder ich verpasse Dir eine Dauerwelle!" über das verbale Drohgebaren meiner Freundin, die leider überhaupt keinen guten Musikgeschmack hat, kann ich nur lachen! Liegt sie doch mit ihrer Einschätzung, der Musikrichtung und der Realisierbarkeit ihres Vorhabens, sie ist 1,58 m und ich 1,80 m groß - ich frage mich, wie sie das schaffen möchte ;-) - komplett daneben.
Schuld an dieser Aussage meiner Freundin war die schwedische Gruppe ANGELINE, die eine sehr knackige und moderne Melodic Rock Scheibe, mit ihrem Zweitling "Disconnected", präsentieren. Gestartet ist die Combo vor über 20 Jahren und konzentrierte sich ausschließlich auf das nachspielen von Material bekannter Musikergrößen. Erst 2010 veröffentlichten die Skandinavier ihr Debüt mit eigenem Songmaterial, welches von der Presse ganz gut aufgenommen wurde. Beflügelt durch diese Resonanzen des Business, setzten sie sich wieder hin und schrieben fleissig neue Songs, die uns, seit Dezember 2011, vorliegen.
Die Band besteht aus: - Jocke Nilsson - Gesang und Gitarre - Janne Arkegren - Gitarre - Uffe Nilsson - Bass - Tobbe Jonsson - Schlagzeug
Das Quartett orientiert sich an amerikanische und skandinavische Rockacts, die sich mit einer ähnlichen Ausrichtung, eine große Fanbasis aufbauen konnten. Der Vergleich mit u. a. HAREM SCAREM, DAUGHTRY, (alten) BON JOVI und EUROPE dürfte dem Sound von ANGELINE am besten beschreiben. Das ganze wird sehr kräftig vorgetragen, verfügt über eine sehr starke Produktion und sticht aufgrund des sehr erfrischenden, rockigen Härtegrad, aus den Sumpf, der genreverwandten Releasese, hervor. So wie die vier Herren, musikalisch zu Werke gehen, merkt man ihnen ihre jahrzehntelange Erfahrung, als Musiker, an. Auf "Disconnected" wimmelt es von extravaganten, im Ohr festfressende, tolle Melodien, verdammt starken Hooks, mehrstimmigen Gesangspassagen und einer Menge harter Gitarrenriffs.
Das sich die Formation nicht so einfach in die Kuschel Rock Schublade stecken lassen möchte, beweisen die Musiker mit dem Opener "When The Lights Go Down". Das Ding schlägt ein wie eine Granate und rockt sich, mit einer ganz tollen Melodieführung, harten Gitarren und einem sehr angenehmen, angerauten Gesang, in mein Rockerherzchen. Sägende Gitarrenriffs, ein eindringlich singender Jocke Nilson, zweistimmige Gesangsparts und eine sehr hart aufspielende Rhythmusfraktion, beinhaltet der Song "Falling Into You". Hierbei handelt es sich um den ersten Ohrwurm und einem der besten Tracks auf "Disconnected". Danach wird es mit dem erstklassigen, radiotauglichen "Take A Little Time" ein bisschen sanfter und dürfte besonders, dem weiblichen Geschlecht, zusagen. Mit einer gesunden Mischung, aus den kanadischen HAREM SCAREM und BON JOVI, rockt sich der Titel auf meine Liste der Highlights. Die Gitarrenfraktion kommt bei den anschliessenden "I Had Enough" und "Run Run Run" mal so richtig schön zur Geltung und beweist, dass Arkegren und Nilsson eine perfekte, rockende Einheit darstellen. Besonders letztgenannter Song kommt einfach nur schön erdig und straight aus den Boxen. Der Kuschel Rocker "Found" erinnert mich an eine Mischung aus BON JOVI und BRYAN ADAMS, was im Grunde nichts schlechtes bedeutet, mir aber aufgrund der fehlenden Eigenständigkeit, nicht so sehr zusagt. Der Song ist einfach zu kitschig arrangiert und, stellt für mich, einen Köpper vom Dreimeterbrett in den Schmalztopf dar. Bleiben wir doch gleich bei BON JOVI, haben sie sich wohl, bei dem Titeltrack, gedacht. Der Rocker erinnert mich verdächtig stark an "Living On A Prayer" der ehemaligen New Jersey Rocker. Zwar startet der Track, vom Härtegrad, schön durch, kann sich aber vom Vergleich einfach nicht befreien. Zu sehr sind die Gitarren- und Gesangsparts, an dem Millionenseller, orientiert. "In Times Like These" ist ein sehr ordentlicher und erdiger Rocker mit einer tollen Gesangsleistung und einem Refrain, den man nicht so schnell vergisst. Tolle Leistung und ein weiterer Ohrwurm auf dem Zweitling der Schweden. Die anschliessende Herz- / Schmerz - Nummer "Solid Ground" erinnert mich an DAUGHTRY, erreicht aber leider, weder von der Intensität, noch vom Songwriting, die Klasse dieser Band. Kann man hören, muss man aber nicht und dürfte sich, zukünftig, als ein Opfer der meiner Skiptaste entpuppen. Nachdem der Silberling wahnsinnig stark begonnen hat, lässt die Klasse, mit fortschreiten der Playlist, deutlich nach. Den Tiefpunkt stellt das belanglose, ideenlose "If It's The Last Thing I Do" dar. zuckersüße Melodien, zwei Gitarristen die weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben und sich zahm und kraftlos durch die Nummer rocken, lassen mich sehr schnell zu dem Urteil kommen, dass auch diese Nummer in den Schmalztopf gehört. Die Modern Rock ausgerichteten "First Time Around" und "Way Down" reissen das Ruder wieder um und schliessen den Silberling, doch noch mit einem positiven Gesamteindruck, ab.
Alle Fans, der von mir im Text genannten Bands, sollten ANGELINE's Zweitling unbedingt eine Chance geben, auch wenn es durchaus einige schwächere Songs gibt. Aufgrund des wirklich bockstarken Anfangs und das die Band sich, nach einigen lauwarmen Nummern, zum Schluß wieder gefangen hat, halte ich hauchdünne 8 Punkte für absolut gerechtfertigt.
Man sollte die Band unbedingt im Auge behalten, denn ich bin mir sicher, dass sie zukünftig noch einiges reissen werden.
Götz
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