|
Ein Interview mit einer israelischen Prog-Metal Band führt man nicht alle Tage. Und noch seltener mit einer so interessanten Band wie AMASEFFER, deren Debüt es auf Anhieb in unsere Hall Of Fame gebracht hat und auch auf meinen aktuellen Faves weit oben zu finden zu ist. Daher war ich natürlich gespannt wie ein Flitzebogen, was Gitarrist Yuval Kramer so alles zu erzählen hatte. Und ich wurde in keinster Weise enttäuscht. Aber lest selbst.
M.R.: Viele unserer Leser werden noch nie von euch gehört haben. Erzähl doch bitte etwas über die Entstehungsgeschichte von AMASEFFER.
Y.K.: Im Juni 2004 hatte Erez (Yohanan, drums) die ursprüngliche Idee und arbeitete sie erstmal für sich aus. Als wir uns trafen, präsentierte er mir seine Ideen und ein paar kleinere Stücke, die er bereits geschrieben hatte. Nun begannen wir beide an dem Konzept zu arbeiten, schrieben einige Songs und ungefähr ein Jahr später kam Hanan (Avramovich, git.) hinzu und alle zusammen verfeinerten wir das Konzept und starteten endlich durch.
M.R.: Ihr vermischt äußerst unterschiedliche Stilrichtungen in eurer Musik. Was für eine Idee steht hinter AMASEFFER und was wolltet ihr kreieren?
Y.K.: Wir wollen, dass jeder, der unsere Musik hört, einfach seine Augen schließen kann und sich auf einer Reise wiederfindet, bei der sich die Geschichte vor seinem inneren Auge entfaltet. Unser Motto lautet: Es gibt keine Grenzen. Wir gehen völlig in unserer Musik auf und versuchen natürlich etwas neues zu erschaffen. Jedes Mal, wenn wir daran arbeiten, schauen wir ganz genau, wo wir Dinge hinzufügen können, die vielleicht doch fehlen oder Teile verändern, die uns nicht so gut gefallen.
M.R.: Für mich hat es den Anschein, als wärt ihr sehr geschichtsinteressierte Menschen. Ihr habt ja auch die Filmmusik zu dem israelischen Film „Altanela“ verfasst. Kannst du mir sagen, worum es in dem Film geht und warum ihr gerade den Exodus der Israelis aus Ägypten als Thema für euer Debüt gewählt habt.
Y.K.: „Altalena“ handelt von einem sehr sensiblen Ereignis im Jahr 1948, kurz nachdem Israel seine Unabhängigkeit begründet hat und noch immer an all seinen Grenzen darum gefochten wurde. Ein Schiff, welches 900 Flüchtlinge aus Europa sowie Waffen, welche die israelische Armee gekauft hatte (noch vor der Unabhängigkeitserklärung) an Bord hatte, war nach Israel unterwegs. Während es mitten auf See war, wurde allerdings ein Vertrag zwischen der neuen israelischen Regierung und den Arabern unterzeichnet, der es verbot Waffen zu liefern. Die israelische Armee musste nun sicher stellen, dass dieser Vertrag auch eingehalten wird und befahl dem Schiff in internationalen Gewässern zu bleiben. Die Besatzung des Schiffes hatte keine Ahnung von dem Vertrag und die Flüchtlinge waren mittlerweile in einer schlechten Verfassung. Also versuchten sie, trotz der anders lautenden Order die Küste Israels anzulaufen. Leider scheiterten die Verhandlungen in den seichten Gewässern an der Küste von Tel Aviv und das Schiff wurde von der israelischen Armee beschossen und sank. 19 Menschen wurden getötet. Dieses Ereignis ist einer der dunkelsten Momente in der noch jungen Geschichte Israels. Sobald der Film veröffentlicht wird, wird ein Trailer auf unserer Homepage zu finden sein.
Die Geschichte des Exodus ist die Geburt der israelischen Nation; damals wurden die Israelis ein Volk, „offiziell“, deswegen ist diese Geschichte so wichtig für uns. Es ist auch eine der bekanntesten Geschichten in der Bibel und daher war es eine große Herausforderung für uns, diese Geschichte, die schon so oft im Theater, in Filmen und Musik behandelt wurde, neu und anders zu erzählen.
Wir wollten auch ein biblisches Konzept, da wir alle an die Bibel glauben. Nicht nur im religiösen Sinn. Wir glauben, dass jeder aus ihr lernen kann und wir wollen den Menschen näher bringen, dass diese Geschichten nicht nur Predigen hinsichtlich des religiösen Lebens beinhalten, sondern unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten gesehen werden können. Wir glauben, dass die Bibel unbedingt in verschiedenster Weise gesehen werden soll, so dass jedes Mal, wenn du sie liest, du etwas neues aus ihr erfahren und lernen kannst.
M.R.: Um was wird es dann in eurem zweiten Album gehen? Ich hoffe, die Geschichte entwickelt sich weiter.
Y.K.: Das nächste Album beginnt mit dem Auszug an sich und endet kurz bevor die Israeliten den Berg Sinai erreichen. Das dritte Album beginnt mit den zehn Geboten und endet nachdem Moses stirbt, als er das Gelobte Land vom Berg Nebo aus gesehen hat.
M.R.: Doch nun wieder zurück zum aktuellen Album „Slaves For Life“. Ihr wart sehr oft in Deutschland und habt daran gearbeitet. Mit wem habt ihr euch getroffen und wie hat es euch bei uns gefallen?
Y.K.: Wir sind zum ersten Mal Ende 2006 nach Deutschland gekommen, um Andy Kuntz (VANDEN PLAS) und Markus Taske zu treffen. Wir spielten ihnen das gesamte Album instrumental vor, erläuterten unser Konzept und erklärten unsere Standpunkte. Mit Markus besprachen wir ganz genau, was wir benötigen und vorbereiten müssen, um für die Studioaufnahmen gerüstet zu sein und mit Andy vereinbarten wir Termine für das Songwriting und das Studio.
Wir haben in Deutschland das Schlagzeug und die Gitarren aufgenommen und das komplette Album gemixt und gemastered. Deutschland ist ein sehr schöner Ort, unterscheidet sich aber stark von Israel. Alles ist viel relaxter, besonders die Menschen. In Israel passiert alles 10x so schnell, viel lauter und völlig anders. Wir haben die Zeit in eurem Land wirklich genossen.
M.R.: Wie du auch gerade angesprochen hast, sollte eigentlich Andy Kuntz hinterm Mikro stehen. Was waren die Gründe, dass es nicht sein sollte?
Y.K.: Zurück in Israel, nachdem wir uns eben mit Andy getroffen hatten, mussten wir herausfinden, dass seine Projekte (VANDEN PLAS, ABYDOS und das Theater) jede Sekunde seiner Zeit in Anspruch nehmen. Wir haben alles versucht, um AMASEFFER irgendwie in die kleinen Lücken seines Terminkalenders unterzubringen, aber nach 6 Monaten mussten wir feststellen, dass es keine Sinn macht. Um AMASEFFER irgendwie planmäßig voranzutreiben, mussten wir getrennte Wege gehen. Es war eine sehr schwierige Entscheidung für uns, da Andy ein wundervoller Mensch ist und wir bereits zu wahren Freunden geworden sind, aber die Musik steht dann doch an erster Stelle.
M.R.: Wie habt ihr dann den Kontakt zu Mats Leven (THERION, AT VANCE u.a.) hergestellt? Gab es irgendwelche Schwierigkeiten, da er ja im Grunde genommen „zweite Wahl“ war? (Er lieferte allerdings eine gigantische Leistung ab, nicht dass wir uns missverstehen.)
Y.K.: Nach Andys Ausstieg entschieden wir uns sämtliche Texte zu schreiben und die Gesangsmelodien auszuarbeiten. Wir flogen nach Deutschland , um das Album zumindest instrumental aufzunehmen und zu mixen, damit wir sobald der neue Sänger gefunden war, das Album so schnell wie möglich fertig stellen konnten.
Kurz zuvor schickten wir einigen Sängern auf der ganzen Welt einen Teil des Songs „Slaves For Life“ zusammen mit dem Text, so dass diese ihre eigenen Ideen einbringen konnten. Dann sind wir eben nach Deutschland geflogen, haben alles aufgenommen und uns die Ergebnisse angehört, als wir zurück waren. Es war sehr schnell klar für uns, dass Mats der beste Mann für den Job war.
Wir haben ihn einfach über seine Website kontaktiert. Und da wir hinsichtlich unserer Musik keinerlei Kompromissen eingehen, war er niemals zweite Wahl für uns, wie du vielleicht gehört hast. Mats ist niemals zweite Wahl. Er war definitiv die beste Wahl für uns.
M.R.: Nun wurde ich doch etwas missverstanden, egal. Livetechnisch dürfte es für euch relativ schwierig sein, alles unter einen Hut zu bekommen. Was würdet ihr machen, falls „Slaves For Life“ in Europa ein Riesenerfolg wird und der Ruf nach einer Tour unüberhörbar?
Y.K.: Wir werden erst dann auf Tour gehen, wenn die komplette Trilogie abgeschlossen ist. Es wird etwas großes werden und wir werden auch keine Kompromisse eingehen, was die Show betrifft. Wir haben bereits sehr unterschiedliche Angebote, um in Clubs oder auf Festivals zu spielen, aber unser Konzept und unsere Musik ist uns viel zu wichtig, als nur um finanzielle oder marketingtechnische Aspekte zu befriedigen.
M.R.: Was habt ihr alle eigentlich gemacht, bevor AMASEFFER gegründet wurde?
Y.K.: Wir spielten bereits in allen möglichen Bands. Hanal und ich haben beide sehr lange Musik studiert und Erez hat sich alle selbst beigebracht, so dass man sagen kann, dass wir musikalisch heranreiften, bevor das Hauptkapitel in unserer musikalischen Entwicklung gestartet wurde.
M.R.: Was sind eure Ziele in der nahen Zukunft? Erstmal durchschnaufen und erholen oder seid ihr schon wieder voll beschäftigt?
Y.K.: Wir haben bereits den zweiten und dritten Teil der Alben geschrieben, noch nicht produziert, aber die Basis steht bereits. Wir werden bald auch einige Neuigkeiten hinsichtlich unserer Projekte, die mit Filmmusik zu tun haben, bekannt geben und wir werden niemals relaxen. Wir sind so auf das Kreieren von Musik fokussiert und wollen unsere Reise fortsetzen, dass das Wort Relaxen uns niemals in den Sinn kam.
M.R.: Dann möchte ich mich noch für die Zeit bedanken, die du für das Beantworten meiner Fragen geopfert hast und wünsche euch viel Glück bei eurem weiteren musikalischen Lebensweg. Ihr habt mich mit Teil 1 eurer Trilogie bereits sehr glücklich gemacht.
Y.K.: Vielen Dank für die gebotene Möglichkeit und die netten Worte. Wir wissen das zu schätzen.
|